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Als Konrad von Hattstein mit kaiserlichem Kriegsvolk von Frankfurt nahte, verließ am 24. August 1552 der Mark- graf Mainz, doch nicht ohne vorher neue Gewalttaten zu verüben. Er ließ 8 Fähnlein nackter, von allem entblößter, Landsknechte durch die Stadt führen in dem Gedanken, sie sollten nach der Brandschatzung die Stadt auch noch plün- dern.„Solches wardt aber durch Gott undt fromme uffrich- tige hauptleut verhütt, undt wurden die knecht geschwindt durch die Stadt geführt, als wan man die hundt forttreibt, das sie nicht placz zu ihrem mutwillen hatten“. In der Nacht vor seinem Weggang ließ Albrecht die Stifte Heiligkreuz, St. Albanl), die Kartause und die Martinsburg, seine Resi- denz, anzünden. Letztere wurde vorher geplündert; dennoch verbrannte in ihr viel Hausgerät. Verschont blieben der Dom²) und das Franziskanerkloster³) auf die Fürsprache des Dompredigers Johann Wild O. F. M., die Benediktinerabtei St. Jakob¹) im Gebiet der späteren Zitadelle, weil sie einst- mals Albrecht Alkibiades Gastfreundschaft gewährt hatte, das Kloster der Büßerinnen?) bei Weisenau auf Grund einer Unterhaltung, die der Markgraf mit einer der Schwestern führte. Auch das Karmelitenkloster wurde wohl nicht stark beschädigt; denn in ihm richtete Erzbischof Sebastian nach der Rückkehr seine Hofhaltung ein.)
Die Stadt Mainz war nun ohne alle Obrigkeit. Wollten die Bürger sie nicht verwahren, so mußten sie dieselbe offen stehen lassen. Am nächsten Tage kamen 4 Fähnlein nackter,
1¹) Gegenüber der Chronik bietet Einzelheiten J. Latomus, Cata-
logus episcop. et archiepiscop. Mogunt.(Mencken, Scriptor. verum germanic. III 561). Darnach Joannis, Rer. Mogunt. Tom. II pag. 730 und Schaab, Gesch. d. Stadt Mainz II S. 368.
²) Paulus S. 54 f; doch wird dieses Verdienst auch für den Mainzer Domhberrn Richard, Pfalzgrafen bei Rhein, in Anspruch ge- nommen.
3³) Paulus S. 55 Anm. 4; Hegel, Chronik S. 127.
4) Damit hatte es nach der Chronik bei Hegel S. 127 folgende Bewandtnis: In jüngeren Jahren war einstmals Markgraf Albrecht Alkibiades bei seinem Vetter, dem Kardinal und Mainzer Erzbischofe Albrecht von Brandenburg(1514-1545), zu Besuch. Eines Abends verspätete er sich mit anderen Höflingen und fand keinen Einlaß in die Stadt. Da fragten sie in dem Kloster St. Jakob um eine Nachtherberge nach. Diese wurde ihnen gewährt und der Markgraf in hohem Maße geehrt, als man seine Verwandtschaft mit dem Erzbischofe feststellte. In Erinnerung an diese Begebenheit habe Albrecht Alkibiades im Jahre 1552 das Jakobsbergerkloster nicht anzünden lassen. Dieser Bericht, kurz vor 1582 verfaßt, verdient mehr Glauben als jener, den der Franziskanerpater Bürvenich 1659 gibt(Arch. f. hessische Geschichte XV S. 226 f.).
⁵) Arch. f. hess. Geschichte XV S. 224— 226. 6) Hegel, Chronik S. 127.


