Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

46

damals Mainzer Domherr war, mit 15 000 Talern zufrieden. Zwei Wochen, bis zum 24. August 1552, lag Mainz voll Kriegsvolk. Solange der Markgraf selbst anwesend war, ließ er in allen Stiften, Klöstern und Pfarreien den Kirchenornat inventarisieren, um dann nach den Verzeichnissen die Kirchen zu berauben. Er beschränkte sich schließlich auf die Plün- derung des Domes. Er ließ u. a. die Tapezereien, d. h. die seidenen, golddurchwirkten Vorhänge wegnehmen, die unter Kardinal Albrecht(15141545) an Festtagen die Wände des Westchores bekleideten. Die Perlen und Edelsteine, mit denen man bei solchen Anlässen die Vorhänge zu schmücken pflegte, waren geflüchtet. Die Tapezereien selbst verpfändete Markgraf Albrecht nach der Niederlande. Nach seinem Ab- zug fehlten dem Domkapitel die Mittel zur Einlösung; sie gingen deshalb dem Mainzer Domschatze verloren. In einer Kiste fanden die Soldaten des Markgrafen Bischofshüte (Infulen). Mit ihnen pflegten sich am St. Stephanstage, wenn man im Dom das Fest des Nebenpatrones beging, die Dom- herrn zu schmücken, die bei diesem Anlaß in Chorkappen erschienen und Kerzen in den Händen trugen. Mit solchem Kopfschmucke zeigten sich die Soldaten auf dem Marktpatze zum Staunen des Volkes.

Während der Markgraf in der erzbischöflichen St. Mar- tinsburg wohnte, war er willens, alle Domherrnhöfe anzünden zu lassen. Doch wurde ihm dieses Vorhaben abgebeten, d. h. er wurde durch Zahlung einer Geldsumme dazu bestimmt, von dem Plane abzulassen. Dann stellte er an die Bürger- schaft das Ansinnen, sie solle sich zusammentun und alle Häuser der Domherrn und Geistlichen bis auf den Grund abbrechen,wolten die Burger die Stadt sampt ihren heusern erhalten. Auch von dieser Forderung ließ er sich abbringen. Darauf wurde den Bauern der umliegenden Dörfer geboten, sich in Mainz einzufinden, um alle geistlichen Häuser nieder- zureißen. Mit dem ehemaligen Bischofshofe auf dem heutigen Höfchen sowie mit 3 alten Häusern auf dem Leichhofe und hinter der Johanniskirche wurde der Anfang gemacht. Der Abzug des Markgrafen tat den Zerstörungsarbeiten Einhalt.

Solange Albrecht in der Stadt weilte(bis zum 24. August 1552) wurde in Mainz keine Glocke geläutet, in den Kirchen nicht gesungen und kein katholischer Gottesdienst gehalten. Statt dessen bestiegen die evangelischen Prädikanten die Domkanzel, ließen deutsche Psalmen singen, hielten im Eisen- (= Ost-) chor deutsche Messen und reichten den Leuten das Nachtmahl. Dieses empfingen etliche, die Lust zur Neuerung hatten, jedoch nur wenig Bürger. Die Neuerung selbst gefiel den einen, den anderen nicht.