Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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Als der Markgraf vor dem 31. Juli 1552 Mainz durch den Trompeter zur Übergabe auffordern ließ, gingen etliche noch anwesende Ratspersonen mit einigen vornehmen Bürgern, Doktoren und Amtsverwaltern zu Rate. Zu diesen Heran- gezogenen gehörte der Baumeister, ein verrechnender Be- amter, nicht Architekt, Georg Reiczi¹), der Rentenschreiber Kaspar Schmick), Laurentz Faust, Doktor Dilmann zum Reb- stock, Doktor Diether Kauffs) und Doktor Beuseler.¹) Dieser Ausschuß erwählte 12 Bürger, die dem Markgrafen nach Schifferstadt die Schlüssel der Stadt Mainz brachten; sie übergaben ihm also die Stadt wegen der Kron Frankreich.

Da über diesen Verhandlungen etwa 8 Tage(etwa 31. Juli bis 6. August 1552) verstrichen, so ließ Landgraf Wilhelm von Hessen, der älteste Sohn Philipps des Großmütigen und Kampfgenosse Albrechts, den Rheingau um 26 000 Taler oder Gulden brandschatzen. Als er durch Verrat von dem versenkten Geschütze erfuhr, ließ er es heben und nach Hessen wegführen. Ein anderer Unterfeldherr Albrechts kam unter dem Vorwande nach Mainz, er wolle für das Kriegs- volk Einkäufe machen. Ohne daß er Geld dafür gab, mußte man ihm vielerlei liefern. Darauf fiel er über die Häuser, Keller und Speicher der Domherrn her, plünderte sie und ließ viel Gut und Wein nach Hessen und Sachsen wegführen. Hätte dieser Aufenthalt länger gewährt, so wäre zu befürch- ten gewesen, daß sich die Scharen des Unterfeldherrn auch an dem Eigentum der Bürger vergriffen hätten.

Während dieser Vorgänge kehrten die 12 Bürger nach Mainz zurück. Mit ihnen kam Wilhelm vom Stein, wohl auch ein Kampfgenosse Albrechts, in die Stadt. Er nahm von ihr im Namen Albrechts Besitz und verjagte die Plünderer.

Darauf, am 9. August?) 1552, traf der Markgraf Albrecht selbst in Mainz ein, um sich huldigen zu lassen. An seiner Statt nahm sein oberster Hauptmann Jost Hock den Hul- digungsakt entgegen und forderteé6) von den Bürgern eine Brandschatzung von 100 000 Gulden. Doch gab er sich auf Fürbitte des Pfalzgrafen, Herzogs Richard von Bayern, der

1) Schrohe, Stadtaufnahmen von 1568 und 1594(Beitr. z. Gesch. d. Stadt Mainz VI) S. 48 Nr. 464/5.

2) A. a. O. S. 118 Nr. 1157, S. 161 Nr. 1477.

3) A. a. O. S. 113 Nr. 1109/10, S. 117 Nr. 1154, S. 121 Nr. 1133. 4) A. a. O. S. 103 Nr. 1016/7.

5) Paulus a. a. O. S. 53.

6) Nach der Chronik des Weisenauer Klosters verlangte er von der Bürgerschaft 12 000, von dem Klerus 100 000 Goldgulden.(Archiv f. hessische Geschichte XV S. 224.)