Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 2. Teil
Entstehung
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lehnte Moritz ab. Sein Kriegsgenosse Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach dagegen kämpfte für ihre Durchführung auch noch, nachdem Moritz am 29. Juli 1552 dem Passauer Vertrag beigetreten war.

Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulm- bach begann,weiln ihm disser Passawisch vertrag nitt ge- fellig war, das Land am Rheinstrom zu durchstreifen. Er ließ Oppenheim durch den Grafen von Altenburg plündern und kam am 22. Juli vor Worms. Die Stadt mußte ihm 8000, ihre Geistlichkeit 12 000 Taler geben. Er lagerte zu Neu- hausen bei Worms und in der Umgegend. Dann zog er nach Speyer, nahm die Stadt ein und raubte sie aus. Die Unter- tanen des Bischofs von Speyer, der nach dem Elsaß entflohen war, wurden gezwungen, über 118 000 Gulden zu erlegen.

Während seines Aufenthaltes zu Speyer, kurz vor dem 31. Juli 1552, sandte Albrecht einen Trompeter nach Main⸗ mit der Aufforderung, die Stadt solle sich auf Gnade und Ungnade dem Könige von Frankreich ergeben.

Erzbischof Sebastian von Heusenstamm hatte sich Ende April 1552 nach dem Abbruch des Tridentiner Konzils nach Mainz begeben. Wegen der Gefahr,darinn sein und andere Bistumb Teutscher Nation wegen der tumultuirenden fürsten schwebten, war er auf den Schutz des Erzstiftes und die Befestigung der Stadt Mainz bedacht. Sonderlich auf dem Jakobsberg beim Eichelstein, dem gefährdetsten Punkte, den im folgenden Jahrhundert die Zitadelle schützte, begann man zu arbeiten.Es wurdt auch damals angefangen oben die spitz von demselben(= Eichelstein) abzubrechen, der mei- nung, denselben genczlich zu ruiniren, und damit solher dem feindt nit zum vortheil wehre, biß auff die erdt zu schleiffen. Doch die Zeit erwies sich zu umfangreichen Arbeiten zu kurz, die Kosten erschienen zu groß, die nötige Hilfe fehlte. Deshalb führte man die Verteidigungsmaßregeln nicht durch und versenkte die erzbischöflichen Geschütze in den Rhein. Schon ehe Markgraf Albrecht am Rhein erschien, verließ Erzbischof Sebastian am 5. Juli 1552 die Stadt und das Erzbistum Mainz. Seinem Beispiele folgten die Prälaten, Domherrn, Mönche und Nonnen, ausgenommen den Barfüßer- mönch Johann Ferus. Es entflohen aber auch Beamte, unter ihnen der höchste kurfürstliche Stadtbeamte, der Vizedomi- nus Philipp von Stockheim,darumb im von den Bürgern fast(= sehr) übelnachgeredt wardt. Viele Mainzer flüch- teten nach dem 5. und einige Tage vor dem 20. Juli 1552 ihre fahrende Habe nach Oppenheim. Sie gingen ihrer jedoch ver- lustig, da Oppenheim um den 20. Juli 1552 von Albrechts Scharen heimgesucht wurde.