Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 1. Teil
Entstehung
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pes, Trauzeuge Napoleons I., Abgeordneter der Stadt an den Wiener Kongreß und Mitglied der ersten hessischen Kammer.

Kunst und Kunstgewerbe fanden in Mainz stets eine Heimstätte.) Wenn hier auch bis jetzt einzelne Kunst- schulen von längerem Bestande nicht nachgewiesen werden konnten, so wanderten doch immer wieder Maler, Bildhauer, später auch Kupferstecher und Stukkateure zu, die Großes zu schaffen wußten; vier Namen der neueren Zeit mögen herausgegriffen werden: Dietrich Schro, der vielbewunderte Plastiker der Renaissance; Johann Maximilian von Welsch, der geniale Barockbaumeister; Christian Seibold, ein ge- borener Mainzer, gestorben 1768 in Wien als Hof- und Porträtmaler; Franz Anton Christian Hermann, der Schöpfer der einzigartigen Domchorstühle, zugleich ein Mitbegründer der Mainzer Möbelindustrie, die, im 18. Jahrhundert ent- standen, bis heute ihren guten Namen behauptet hat.

An dem geistigen Leben Deutschlands nahm Mainz regen Anteil. Heinrich Frauenlob starb hierselbst am 29. November 1318. Aus Dankbarkeit trugen ihn, wie die Sage berichtet, die Frauen zu Grabe und benetzten seinen Hügel mit Wein. Seit Frauenlob, der auch andere schulmäßig in der Kunst ausbildete, blieb Mainz eine Hauptpflegestätte des Meister- gesanges. An sechs Mainzer Kirchen bestanden im Jahre 1535 Singschulen. Religiöse Schauspiele fanden noch zu An- fang des 16. Jahrhunderts im Chor der Stiftskirche St. Johann statt. Später war die dramatische Kunst bei den Jesuiten heimisch. Eine kurfürstliche Hofkapelle befaßte sich, wie die schwedische Kriegsbeute beweist, schon vor dem dreißig- jährigen Kriege mit kirchlicher und weltlicher Musik. Noch im 19. Jahrhundert erinnerte man sich der Messen und Ora- torien von Graun und Händel, von Mozart und Pergolesi, welche die kurfürstliche Hofkapelle in St. Gangolf aufgeführt hatte. Auf literarischem Gebiete wirkte die Tatsache nach, daß die Buchdruckerkunst in Mainz ihre Wiege hatte. Immer wieder gingen aus den hier befindlichen Druckereien bedeu- tende Werke hervor, so die Sammlungen der Reichstags- abschiede, die Krönungsdiarien und die Annales ecclesiastici des Kardinals Baronius. Von letzteren erschienen neun starke Foliobände in dem einen Jahre 1601; der zehnte, Schlußband, folgte 1603. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts galt die besondere Fürsorge der Kurfürsten der Reform des gesamten Schulwesens. Die Zeichenakademie, die Schul-

1) Schrohe, Aufsätze u. Nachweise zur Mainzer Kunstgeschichte (Beitr. z. Gesch. der Stadt Mainz 2. Bd.) 1912.