Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 1. Teil
Entstehung
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im allgemeinen durch Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue auszeichnete. Der Verfasser des vorliegenden Aufsatzes, der in die Sitzungen des Vizedomamtes einen genauen Ein- blick hat, muß dieser Behörde verdientes Lob spenden. Mit Eifer und Sachkenntnis behandelte sie die vorgelegten Ge- suche und entschied sie in einer Weise, die noch heute Bewunderung erregt. Sie erörterte z. B. ernsthaft die Frage einer Höchstdividende. Wäre eine solche festgesetzt worden, so bestünden heute nicht jene unversöhnbaren Klassengegen- sätze, wie sie der wirtschaftliche Liberalismus des 19. Jahr- hunderts heraufbeschworen hat.

Auf dem Wege der Gesetzgebung schaffte man in dem besetzten Gebiete den Adel, den Zehnten, die herrschaft- lichen Rechte und das Lehenswesen ab. Deshalb war für den Adel sowie für die höhere Geistlichkeit, die aus ihm hervorging, auf dem linken Rheinufer kein Platz mehr. Es wanderte der Adel aus, der sich seit dem 16. Jahrhundert in Mainz um den Kurfürsten geschart und durch zahlreiche Höfe dem älteren Mainz das Gepräge gegeben hatte. Durch den Konsularbeschluß vom 9. Juni 1802 wurden die Klöster aufgehoben. Nunmehr verlor Mainz völlig den geistlichen Charakter, den es so lange als Residenz des ersten unter den deutschen Kirchenfürsten aufwies. Von den kirchlichen Gebäuden, die ihm namentlich von der Rheinseite ein so abwechselungsreiches und freundlichhes Aussehen gaben, hatte es schon viele bei der Beschießung im Juni und Juli 1793 eingebüßt. Von 1803 bis 1814 wurden neun Kirchen niedergelegt, andere wie die Reich- und Armklaren- sowie die Karmelitenkirche ihren Zwecken entfremdet.

Auf wirtschaftlichem Gebietel) reichte das kurfürstliche Mainz in keiner Zeit an Frankfurt, Straßburg und Köln heran, sondern war stets eine Stadt mittlerer Bedeutung, vor allem ausgezeichnet als Mittelpunkt des rheinischen Weinhandels. An einzelnen reichen und einflußreichen Män- nern fehlte es natürlich in den verschiedenen Zeiten keines- wegs. Zu ihnen gehört: Humbert zum Widder, den König Rudolf zwischen sich und Erzbischof Siegfried von Köln zum Schiedsrichter erkor; Heinz zum Jungen, der Gastfreund und Ratgeber König Ruprechts von der Pfalz; Gerhard Pfingsthorn, den die Horden eines Albrecht Alzibiades von Brandenburg-Kulmbach so schwer brandschatzten; Edmund Rokoch, der kurfürstliche Rentmeister und vielseitige Ge- schäftsmann, dem ohne fühlbare Folgen 20 000 Dukaten ge- stohlen werden konnten; Johann Heinrich Ludwig von Map-

1) Schrohe, Aus der Geschichte der Mainzer Kaufmannschaft. Festschr. d. Kath. Kaufmänn. Vereins 1927 S. 95136.