Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 1. Teil
Entstehung
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100 000 Gulden, wurde aber auf Bitten des Domherrn Richard von Pfalz-Simmern auf 15 000 Gulden ermäßigt. Die späteren Besetzungen der Stadt waren nicht von der gleichen Härte. Aber auch in der Schwedenzeit wurden absichtlich Häuser zerstört. Kontributionen, Entbehrungen und Xümmernisse trafen die Bürgerschaft bei jedem dieser Ereignisse. Doch auch die Gefahr feindlicher Uberfälle beeinträchtigte Gewerbe und Handel. Wenn solche drohten, wurden Truppen in die Stadt gelegt und die Ansprüche dieser unterschieden sich häufig wenig von den Forderungen der Feinde. S0 konnten die Brüder Rokoch darüber klagen, daß sie in ihren Behausungen zum Spiegel(Markt 37) und zum Marien- berg(Liebfrauenplatz 3 und 5) vom 19. Oktober 1683 bis zum 31. Mai 1698 beständig hohe Generäle zur Einquartierung hatten. Auch die fortwährenden Neubauten und Ausbesse- rungen an den Festungswerken, die 1620 mit der ersten Befestigung der heutigen Zitadelle begannen, belasteten die Bürgerschaft. Denn sie mußte ebenso wie die Geistlichkeit zu den ungeheuren Nosten beitragen. Wenn trotzdem die Festung Mainz bei jedem ernsten Angriff versagte, so lag das nicht so sehr an ihrer jeweiligen Beschaffenheit als vielmehr an den Mainzer Truppen, die mehr für Paradezwecke aus- gebildet waren.

Unter diesen Umständen konnte sich General Cüstine am 22. Oktober 1792 ohne Blutvergießen der Stadt Mainz be- mächtigen. Er behauptete sie bis zum 23. Juli 1793. Wenn auch während dieses Zeitraumes zahlreiche Neuerungen der westlichen Republik in Mainz Eingang fanden, so gaben sie doch nicht dem kurfürstlichen Mainz den Todesstoß. Denn an dem letztgenannten Zeitpunkte kehrte noch einmal die alte Verwaltung in die Stadt zurück und suchte nach Mög- lichkeit das inzwischen Geschaffene zu beseitigen. Erst mit dem abermaligen Einzuge der Franzosen am 30. Dezember 1797 schloß jene Periode der Mainzer Stadtgeschichte, die 1462 eingesetzt hatte. Mainz hörte endgültig auf, eine erz- bischöfliche Stadt zu sein.

Da Preußen und österreich in die Abtretung des linken Rheinufers einwilligten und der Mainzer Kurfürst am 24. De- zember 1797 von Aschaffenburg aus der Ubergabe der Stadt und Festung zustimmte, so war Frankreich berechtigt, hier sein Regierungssystem zur Durchführung zu bringen. Zu- nächst hörte der Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal auf, der Landesherr zu sein. Damit war die gesamte Re- gierung und Verwaltung, soweit sie noch in Main⸗ ihren Sitz hatte, außer Tätigkeit gesetzt.

Es schied eine Beamtenschaft aus dem Dienste, die sich