Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 1. Teil
Entstehung
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durchaus bäuerlichen Eindruck. Er gehörte ebenso wie Worms und Speyer seit dem Vertrage von Verdun(843) zu dem ostfränkischen oder deutschen Reiche, bildete aber keineswegs einen Mittelpunkt der damaligen Verwaltung. Vielmehr gehörte er zu dem Wormsgau, der nördlich von Speyer begann und bis zur Nahe reichte. So war Mainz eine königliche Stadt, d. h. eine mit Mauern um- schlossene Ansiedlung, die dem Grafen des Wormsgaues, einem königlichen Beamten, unterstand.

Aus dieser untergeordneten Stellung stieg Mainz empor, als der hl. Bonifazius hier seinen Metropolitansitz errichtete. Seinem Nachfolger Lullus gelang es, Mainz dauernd die erz- bischöfliche Würde zu sichern. Damit hatte Mainz, wenn auch noch immer eine königliche Stadt, seine Umgebung weit überholt. Zwölf Suffraganbistümer unterstanden später dem Mainzer Erzbistum. Als es nach dem hl. Bonifazius zum 16. Male besetzt wurde, war wieder eine entscheidende Stunde gekommen. Willigis(975 1011), der treue Anhänger der sächsischen Kaiser, erhielt von Otto II. vor 979 die königlichen Rechte über Mainz, das damit eine bischöf- liche Stadt wurde. In demselben Maße, wie die Bedeu- tung der Mainzer Erzbischöfe bei den deutschen Königs- wahlen wuchs, gewann die Stadt an Ansehen. Heinrich II. wurde 1002 als erster deutscher König in Main⸗ gekrönt. Es geschah dies unter dem mächtigen Einflusse des Erz- bischofes Willigis. Konrad II.(1024), Rudolf von Rhein- felden(1077), Lothar von Supplinburg(1125), Philipp von Schwaben(1198) und Friedrich II.(1212) empfingen eben- falls in Mainz die Königskrone. Noch stattlicher ist die Zahl der Reichs- und Fürstentage, die unter den fränkischen und staufischen Herrschern in Mainz abgehalten wurden. Unter ihnen ragt besonders das Reichsfest vom 20. Mai 1184 her- vor; von seinem Glanze erzählte man in dem ganzen christ- lichen Europa. Während die letzten Staufer in kirchenpoliti- schen Kämpfen ihre Kräfte verbrauchten, verlor die ober- rheinische Tiefebene ihre Bedeutung für die Reichsregierung. Mainz aber wußte aus dem Zwiespalt zwischen den Kaisern und den Erzbischöfen der Stadt reichen Gewinn zu ziehen.

Schon der Gegensatz zwischen Kaiser Heinrich IV. und den Erzbischöfen Siegfried I.(1060 1034) und Ruthard (1088 1109), mehr noch die Feindschaft Adalberts I.(1111 bis 1137) gegen Heinrich V. kam der Mainzer Bevölkerung zu statten. In den Kämpfen, die bis zum Interregnum(bis etwa 1250) zwischen den deutschen Königen und den Mainzer Erzbischöfen wiederholt ausbrachen, wurde die Mainzer Ein- wohnerschaft viel umworben. Aber nur gegen namhafte