Aufsatz 
Aus der Mainzer Vergangenheit. Aufsätze zur Belebung des Geschichtsunterrichtes : 1. Teil
Entstehung
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I.

Überblick über die Geschichte der Stadt Mainz¹)

Der Eichelstein, das Denkmal des Drusus, und der Dom, seit alters dem hl. Martinus geweiht, sind die Wahrzeichen der geschichtlichen Entwicklung von Mainz; denn auf mili- tärischem und kirchlichem Gebiete liegt seine Vergangenheit.

Die Römer errichteten unter Drusus ein Kastell gegen- über der Stelle, an der die Mainstraße mit den Völkerwegen am Rheine zusammentraf. Eine Bleimedaille,²) die 1862 in der Saone bei Lyon gefunden wurde, bietet die älteste An- sicht der Stadt Mainz, gleichviel ob die Medaille in das Jahr 286/7 oder 368 nach Christus gehört. Den Mittelpunkt der unteren Hälfte bildet der überbrückte Rheinstrom(Fl(uvius) Renus). Links des Flusses befindet sich ein Ort, der von Zinnenmauern und Rundtürmen umschlossen ist. Wie der rechtsrheinische durch die Aufschrift Castel(tlum), so wird der linksrheinische durch die Bezeichnung Mogontiacum (Mainz) bestimmt. Kann das Bild auch keinen Anspruch auf Naturtreue erheben, so ist es doch nicht wertlos. Es vermittelt die Vorstellung, die wir von dem römischen, aber auch von dem frühmittelalterlichen Mainz haben müssen. Nachdem die römischen Legionen den Rhein verlassen hatten, überfluteten die wandernden Germanen im 5. Jahrhundert das linke Ufer. Auch Mainz erlag ihren Angriffen. Was dabei an Gebäulichkeiten erhalten blieb, dürfte verhältnis- mäßig wenig gewesen sein. Der Eichelstein und die Wasser- leitung bei Zahlbach gehören zu den Zeugen geschwundener römischer Herrlichkeit.

Um 580 belebte der Mainzer Bischof Sidonius die Trüm- merstätte durch eine Reihe kirchlicher Neubauten. Seine Verdienste um die Stadt, ihren Aufbau und die Bevölkerung klingen noch heute in den Dichtungen des Venantius Fortu- natus nach. Wenn wir einer geschichtlichen Quelle des 13. Jahrhunderts glauben dürfen, so brachte XKönig Dagobert (622 638) Mainz, das die Hunnen zerstört hatten, wieder in einen besseren Zustand. Dennoch wies der Ort zur Zeit der NMerovinger und Karolinger(431911) innerhalb des Mauer- ringes zahlreiche unbewohnte Flächen auf und machte einen

1¹1) Mainz. Journal Sondernummer 11.19. Juli 1925.

²2) Abbildung Main⸗z. Zeitschr. I 1906 S. 25; Wothe, Mainz, ein Heimatbuch S. 59 Abbild. 20.