Aufsatz 
Emund Rokoch. Ein Mainzer Kaufmann und Beamter des XVII. Jahrhunderts : 2. Teil
Entstehung
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sein, wenn sich die Faktoren zeitig solche verschreiben. Treffen trotzdem keine Schiffe ein, so gehören die Waren in das Kaufhaus, das für solche Zwecke da ist. Laut der Kaufhausordnung sind derartige Güter auch ohne be sondere Aufforderung der Kaufleute oder des Kaufhauses in dieses zu schaffen. Halte man diese Bestimmungen nicht ein, so reichten bei guten Zeiten¹) Rokoch sagt dies mit bitterer IJronie 6 Krahnenschuppen nicht aus. Und in einer Weise, die nicht mißzuverstehen ist, fährt er fort): Es ist aber den fremden und einheimischen Kaufleuten gar nicht um die Lagerung in den Krahnenschuppen, sondern um das hohe Kaufhaus- und das doppelte Krahnengeld(für Ausladung aus den Schiffen und spätere Wiedereinladung) zu tun. Diese Gebühren aber bilden den Nutzen, welcher der gemeinen Stadt und dem Erzstifte von dem Handel zukommt. Wird der Kaufhausordnung entsprechend ver- fahren, so sind weitere Lagerhölzer nicht nötig. Ubrigens werden solche Hölzer, da vor der Stadt genügender Schutz fehlt, fast alljährlich aus Geringschätzung gegen die Obrig- keit gestohlen. Was die groben Waren anlangt, so können diese auch bei schlechter Witterung außerhalb der Krahnen- schuppen d. h. im Freien ohne Schaden lagern. Schließlich bezieht sich Rokoch auf das, was er bei der Krahnenvisitation mündlich vorbrachte.¹) Die Offenheit, mit der hier Rokoch seine Ansicht äußert, ist ebenso verblüffend wie die Schonungs- losigkeit, mit der er die Hintergedanken der Faktoren bloß legt. Sie entsprang nicht sowohl gerechter Entrüstung über die unredliche Kampfesweise und die unberechtigten Vorwürfe seiner Standesgenossen, es macht vielmehr den Eindruck, als sei bei ihm eine solche Gesinnung einer großen Ver- bitterung gewichen; dazu paßte es denn vortrefflich, wenn er behauptet,4) die Lagerhölzer würden alljährlich aus »purlauder verachtung der oberkeit« geraubt. Unter allen Umständen zeigt dieses Schriftstück, daß Rokoch dem Gegner mit völliger Rücksichtslosigkeit entgegentrat. Alle die Machinationen, die man auch schon in dieser Zeit ver- suchte, um sich Steuern und Abgaben zu entziehen, werden in ihm ein gutes Stück Menschenverachtung gezeitigt haben. Der stete Kampf, den er in langen Jahren als Rent- meister wegen der Steuern und Abgaben mit den ver- schiedensten Ständen zu führen hatte, erzeugten jene Schroffheit, die sich in dem besprochenen Schriftstück

1) Siehne S. 121 Z. 11 v. u. 2) Ebenda Z. 10 v. u. 3) Siehe S. 122 Z. 9. 4) Siehe S. 122 Z. 5