Aufsatz 
Emund Rokoch. Ein Mainzer Kaufmann und Beamter des XVII. Jahrhunderts : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

Urtheil alles widerrufen, aber vermõg prothocolls von denen H. commissarijs offentlich uberwiessen worden.«

Schliesslich beweist noch ein drittes den Reichtum Rokochs, nämlich die Fürsorge, die er seiner Pfarrkirche, St. Quintin, zuwandte. Im Jahre 1650 liess¹) er mit seiner Gattin deren Hochaltar von Grund aus neu aufführen, den Chor mit neuen Fenstern versehen und die Kirche, die durch Staub und Alter geschwärzt war, reinigen und aufs neue mit Farben malen. Aber auch diese ansehnlichen Aus gaben für kirchliche Zwecke stehen bei Rokoch nicht ver einzelt da. 1670 liess?²) er die Unterkirche in Reichklara, d. h. den unter dem Nonnenchor befindlichen Teil herstellen und zugleich ein neues Fenster auf dem Chor anfertigen; die Kosten für letzteres betrugen 86 fl. 15 Alb.

Will man die kaufmännischen Fähigkeiten Rokochs in vollem Umfange würdigen, so darf nicht lediglich sein Reich- tum den Masstab der Beurteilung abgeben. Es kommen ebenso sehr die Hindernisse inbetracht, die sich ihm ent- gegenstellten. Diese lagen zum Teil in den Menschen, zum Teil in den Zeitverhältnissen. So sah es das vielvermögende Mainzer Domkapitel nicht gern, dass Rokoch auch als kur- fürstlicher Rentmeister sein Handelsgeschäft weiter betrieb. Am 3. November 1667 beschliesst) das Domkapitel, in betreff der Weinunterkäufer an den Kurfürsten zu schreiben und »auch bey solcher gelegenheit zu gedenken, weilen es gegen eines zeitlichen Renthmeisters pflichten lauffe, Factorey zu treiben, dass ein solches bei jetzigem Renthmeister mögte gebessert werden.« Am 14. November billigte¹) das Dom- kapitel das Konzept eines Briefes, der in dieser Angelegen heit an den Kurfürsten gerichtet werden sollte. Jedenfalls hatte dieser bei Johann Philipp von Schönborn, der an scheinend der Rokochischen Familie wohlgesinnt war, nicht die gewünschte Wirkung. Rokoch war Rentmeister und Kauf mann bis zu seinem Lebensende.

Bedeutungsvoller waren die Hindernisse der zweiten Art. Sie bestanden in den hohen Abgaben, welche die ver armten Fürsten auf den Verkehrsstrassen erhoben. Nament- lich der Rhein war in dieser Beziehung schwer belastet. In deutlicher Weise spricht sich hierüber die kurfürstliche Kam- mer anlässlich der Visitation von 1675 aus. Sie sagt:

1) Forschner, Gesch. der Pfarrei und Pfarrkirche St. Quintin S. 40. 2) Schrohe, Gesch. des Reichklaraklosters S. 46.

3) M. D. P. Band 37 Fol. 151b und 152a.

4) Ebenda S. 160 b.