I.
Geschichtsbilder im deutschen Unterricht der Quinta.
Die Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens(Weidmannische Taschenausgaben Heft 20, 4. u. 5. Aufl. S. 225) geben folgende Anregungen:
„Die Geschichtserzählungen(nicht in besonderen Wochen- stunden) werden am besten als„Lebensbilder“ gegeben, die den Schülern einen Einblick in bedeutende Abschnitte der vaterländischen Geschichte gewähren, zum Beispiel:
1. Arminius und die alten Germanen.
2. Theoderich und die Völkerwanderung.
3. Bonifazius und die Bekehrung Deutschlands.
4. Karl der Große und das abendländische Kaisertum.
5. Heinrich I. und die Gründung des deutschen Reiches.
6. Otto von Bamberg und die Christianisierung des Ostens.
7. Friedrich Barbarossa, der Höhepunkt mittelalterlicher Kaisermacht.
8. Maximilian, der letzte Ritter.
9. Luther, Karl V. und das Zeitalter der Reformation.
10. Gustav Adolf, Wallenstein und der dreißigjährige Krieg.
11. Friedrich der Große und Preußens Aufstieg.
12. Blücher und der Befreiungskrieg.
13. Bismarck und die Neugründung des Deutschen Reiches.
14. Hindenburg und der Weltkrieg.
Derartige Geschichtsbilder stellen dem Lehrgang der Ge- schichte, wie er seit langem auf der Mittel- und Oberstufe höherer Lehranstalten üblich ist, einen weiteren auf der Unter- stufe voran. Sie erfüllen aber nicht den Zweck eines propädeu- tischen Geschichtsunterrichtes, der wie der Geographieunter- richt in Sexta Grundbegriffe vermitteln soll. Den Schülern muß schon in der OQuinta zum Verständnis kommen, daß die An-— schauungen, Bedürfnisse und Ziele der menschlichen Gesell- schaft immer wieder gewechselt haben und auch heute einer stetigen Veränderung unterworfen sind. Darin unterscheidet sich der propädeutische Geschichtsunterricht von dem späteren, daß er von der nächsten Heimat ausgeht. Der Knabe will wissen, was die Gegenstände im Hause und auf der Straße zu bedeuten haben. Der OQuintaner soll Antwort erhalten auf Fragen, die sich auf die engen und krummen Gassen, die turm- gekrönten Kirchen, die Adelspaläste und Fachwerkhäuser, die Stadttürme und Denkmäler großer Männer oder pflichttreuer Kämpfer beziehen. Dem OQuintaner soll die Heimat zum Frleb- nis werden; mit der Heimatliebe soll sich die Liebe zum Vater- lande verbinden.
1*


