Aufsatz 
Odyssee XI, übersetzt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

Sieh da nahte die Seele von Atreus Sohn Agamemnon,

Gramumwölkt, und die andern umdrängten ihn, welche mit jenem

In des Aegisthos Hause den Tod und das Ende gefunden,

Und er erkannte mich gleich, als dunkeles Blut er getrunken,

Und wehhklagete laut, hellrinnende Thränen vergiessend,

Breitend die Hände nach mir, und mich zu erfassen begierig;

Doch nicht hatt' er anjetzt noch Spannkraft oder die Stärke,

Wie vordem sie gewesen ihm war in den biegsamen Gliedern;

Als ich ihn sah, da weint' ich und Mitleid fasste die Seele,

Und ich begann und sprach die geflügelten Worte zu jenem: Herrlichster Atreussohn Agamemnon, König der Männer,

Welche der Keren bezwang dich im langausstreckenden Tode?

Hat dich im Schiffe der Herrscher des Meers, Poseidon bezwungen,

Jagend empor endloses Gestürm der entsetzlichen Winde?

Haben dich feindliche Männer vielleicht auf dem Lande gemordet,

Als Stierbeute du raubtest und herrliche Heerden von Schaafen,

Oder als Kampf für die Stadt du kämpfetest und für die Weiber? Redete so, der aber erwiederte hurtig und sagte:

Edeler Sohn des Laertes, erfindungsvoller Odysseus,

Nicht in dem Schiffe bezwang mich des Meers Obherrscher Poseidon,

Jagend empor endloses Gestürm der entsetzlichen Winde,

Noch auf dem Land auch haben mich feindliche Männer gemordet,

Sondern es hat Aegisthos, mir Tod und Verderben bereitend

Mit dem verderblichen Weib, mich ins Haus einladend gemordet

Beim Gastmahle, wie einer das Rind todtschlägt an der Krippe;

Solch unseligen Tod starb ich, und die andern Gefährten

Fielen erbarmungslos ringsher, weiszahnigen Saun gleich,

Die in dem Hause des reichen und mächtigen Mannes geschlachtet

Werden bei Hochzeit oder Gelag und glänzendem Gastmahl.

Oft schon kamst du gewiss zu dem Mord gar manches der Männer,

Einzeln erschlagener Menschen, und auch in gewaltiger Feldschlacht;

Doch dies hätte zu sehn dich zumeist in der Seele gejammert,

Wie um den Mishkrug her und des Festmahls strotzende Tische

Wir da lagen im Haus, und die Flur aufdampfend in Blut schwamm.

Jämmerlich scholl mir ins Ohr Wehruf von Kassandra, der Tochter

Priamos', welche mir nahe die listige Klytämnestra