Aufsatz 
Mitteilungen aus den neuen Lehrplänen für die höheren Schulen
Entstehung
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der Fachkenner dem Umſtande zugeſchrieben, daß in dieſen Klaſſen die Zahl der lateiniſchen Lehr⸗ ſtunden auf ein zu geringes Maß herabgeſetzt iſt. Andererſeits hat auf dem naturwiſſenſchaft⸗ lichen Gebiete die Ausdehnung des naturbeſchreibenden Unterrichts bis in die oberſten Klaſſen den kaum zu vermeidenden Anlaß gegeben, die der Schule geſtellte Aufgabe zu überſchreiten und in theoretiſche Hyotheſen einzugehen, deren Erwägung dem Fachſtudium auf einer Hochſchule überlaſſen bleiben muß. Die hiermit verbundene Zerſplitterung des naturwiſſenſchaftlichen Intereſſes in den oberſten Klaſſen auf drei Gebiete, Naturbeſchreibung, Phyſik und Chemie, iſt entſchieden nachteilig, ſo daß der Erfolg nicht dem Aufwande an Zeit entſpricht. Durch eine veränderte Abgrenzung und Anordnung wird es möglich, dem naturwiſſenſchaftlichen Unterrichte bei einer nur wenig vermin⸗ derten Stundenzahl die gebührende Bedeutung in vollem Maße zu erhalten und zugleich dem kateiniſchen Unterrichte die unerläßliche Verſtärkung zu verſchaffen.

4. Die lateinloſen Realſchulen von neunjähriger Lehrdauer(Ober⸗Realſchulen) haben ſich im weſentlichen ſelbſtändig entwickelt, ohne daß im voraus ein Normalplan für die Stundenzahl und für die in den einzelnen Gegenſtänden zu erreichenden Lehrziele vorgezeichnet war. In Folge hiervon ſind ſie nicht frei von der Gefahr geblieben, durch eine überwiegende Hingebung an die mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftliche Seite des Unterrrichts den Charakter von Fachſchuleu an⸗ zunehmen. Dieſer Gefahr vorzubeugen liegt im dringenden Intereſſe dieſer Schulen; denn nur inſo⸗ weit dieſelben den thatſächlichen Beweis liefern, daß auch unter Beſchränkung auf moderne Sprachen der Aufgabe der ſprachlich formalen und der ethiſchen Bildung vollſtändig Genüge geſchieht, ſind dieſelben fähig, als Schulen allgemeiner Bildung neben den Gymnaſien und den Realſchulen I. Ordnung zu gelten.

5. Bei den lateinloſen höheren Bürgerſchulen iſt hier und da das Streben nach einer Steigerung der Lehrziele erſichtlich geworden; dieſen an ſich aus ſchätzbaren Motiven hervor⸗ gegangenen Beſtrebungen muß vorgebeugt werden, wenn dieſen Schulen die ſegensreiche Wirkſamkeit auf weite Kreiſe geſichert werden ſoll.

Nach dieſen Grundſätzen ſind die in der Anlage beigeſchloſſenen Lehrpläne für die höheren Schulen ausgearbeitet.

Vorausgeſetzt iſt für die Ausführung der vorliegenden Lehrpläne, daß die an der weit überwiegenden Mehrheit der höheren Schulen geltende Einrichtung der Jahreskurſe und zwar, ſofern nicht Wechſelcöten beſtehen, von Oſtern zu Oſtern und der Jahresverſetzungen überall zu ſtrenger Durchführung gelange, und das an einzelnen Anſtalten noch zugelaſſene Zu⸗ ſammendrängen der für Jahresdauer beſtimmten Lehraufgabe einer Klaſſe auf ein Semeſter ebenſo wie die Teilung der drei unteren, auf Jahresdauer beſtimmten Klaſſen in zwei aufſteigende Klaſſen von je halbjähriger Lehrdauer abgeſtellt werde. Im Hinblicke darauf, daß die unvermeidliche Haſt des Unterrichts bei ſemeſtralem Zuſammendrängen des Jahrespenſums die Freudigkeit der Schüler