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Königlichen Vater auf dem Schlachtfelde zusammen. Über diese ergreifende Begegnung schrieb der Kronprinz in sein Tagebuch:„Endlich nach vielem Suchen fanden wir den König; ich meldete ihm die Anwesenheit meiner Armee auf dem Schlachtfelde und küsste ihm die Hand, worauf er mich umarmte. Beide konnten wir eine Zeit lang nicht sprechen, bis er zuerst wieder Worte fand und zu mir sagte: er freue sich, dass ich bisher glückliche Erfolge gehabt, auch Befähigung zur Führung bewiesen; er habe mir, wie ich wohl durch sein Telegramm wisse, für die vorher- gegangenen Siege den Pour le mérite verliehen. Jenes Telegramm hatte ich nicht erhalten, und so überreichte mir denn mein Vater und König auf dem Schlachtfelde, wo ich den Sieg mit entschieden, unseren höchsten Militär-Verdienstorden. Ich war tief davon ergriffen, und auch die Umstehenden schienen bewegt“.— Was hat den jugendlichen IIelden mehr gechrt, die hohe Auszeichnung, welche ihm hier zu teil wurde, oder der bescheidene, anspruchslose Sinn, mit welchem er dieselbe entgegennahm?
Vier Jahre später zog ein neues, drohenderes Kriegswetter im Westen auf: es galt, die Ehre und Unabhängigkeit Deutschlands gegen den Ubermut Frankreichs zu verteidigen. Wiederum war dem Kronprinzen die Führung einer Armee, der aus Preussen, Baiern, IHessen, Württem- bergern, Badensern zusammengesetzten Südarmee, übertragen. Am 2. August hatte er sein IHauptquartier in Speier, am 3. in Landau, um von hier aus am folgenden Tage die Grenze zu überschreiten. In dem vom Kronprinzen für diesen Tag erlassenen Armeebefehl hiess es:„Der Feind ist, wo er angetroffen wird, zurückzuwerfen“. Die Lösung dieser Aufgabe war keineswegs so leicht, als man nach der soldatischen Kürze und Bestimmtheit des Befehls vermuten könnte. Die ganze Grenze war durch eine fortlaufende Kette von Verschanzungen befestigt; diese sogenannten Weissenburger Linien, die befestigte Stadt Weissenburg selbst, endlich der die Stadt beherrschende Gaisberg mussten mit stürmender Hand dem Feinde entrissen werden, einem Feinde, der mit überlegenen Feuerwaffen kämpfte, der sich heldenmütig wehrte und die deutschen Truppen durch den Anblick wilder Barbarenhorden in Schrecken zu setzen gedachte. Ilier war es, wo unter des Kronprinzen Führung die Waffenbrüderschaft der deutschen Söhne aus Nord und Süd die Bluttaufe empfing und der erste Sieg über den übermütigen Feind errungen wurde.—
Man hatte Mühe, dem sich eilig zurückziechenden Feinde auf den Fersen zu bleiben; am 5. August wurde derselbe bei Wörth wieder erreicht, wohin der französische Feldherr aus Metz Verstärkungen gezogen hatte. Am 6. August sollten die deutschen Truppen nach der Absicht des Kronprinzen Ruhetag haben und ihre neuen Stellungen für die auf den 7. geplante Schlacht ein- nehmen. Aber die Vortruppen verwickelten sich in eine Reihe hitziger Einzelgefechte, die schliesslich ohne Nachteil nicht mehr abgebrochen werden konnten. Das uns so geläufig gewordene:„Viktoria bei Weissenburg, Viktoria bei Wörth!“ lässt uns nur zu leicht vergessen, mit wie schweren Anstrengungen und Opfern dieser Sieg erkauft werden musste. Erst, als gegen 1 Uhr der Kronprinz selbst auf dem Schlachtfelde erschien und durch klare Befehle Ordnung und Zusammenhang in jene Einzelkämpfe brachte, als endlich den bedrängten Preussen und Baiern die Württemberger und Badenser zu Hilfe kamen, da wurde jener herrliche Sieg errungen, der das Vaterland von einem Alpdruck befreit hat und für den weiteren siegreichen Fortgang des ganzen Feldzugs entscheidend geworden ist. Eure Väter und Brüder, J. Schüler, haben ihn miterkämpft; sie werden euch davon zu erzählen wissen, mit welch freudiger Siegeszuversicht und Begeisterung sie dem geliebten Führer in die Schrecken des Kampfes gefolgt sind.— Durch


