Aufsatz 
Aus der Geschichte der Schule
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Muskulatur nicht ſelten in einen Zuſtand des Krampfes verſetzte, kamen wir zu einer ſchwunghaften, flüſſigen Form des Übens, bei der die Bewegung das Weſentliche iſt. Auf eine Spannung muß bewußter Weiſe eine Entſpannung folgen, das bedeutet Kraft erſparnis. Daueranſpannungen dagegen haben den Verluſt eines Gutteils der Ge ſchmeidigkeit der Muskulatur zur Folge. Bewegung, unkerſtützt durch richtigen Wechſel von Spannung und Entſpannung, und nicht Stellung iſt das, was die Muskulatur anregt und entwickelt. In dieſem Sinne haben wir unſer Freiübungsturnen neu ent wickelt und gepflegt. Nach Erlernung der Bodeſchen Grundübungen haben wir unter Beachtung ſeiner Prinzipien eine Reihe von Arbeitsbewegungen, ſowie vorbereitende Ubungen für Wurf, Stoß und Sprung herausgearbeiket, die ob ihres rhythmiſchen Ab- laufs und ihrer durchgreifenden Art die beſten körperlichen Erfolge zeitigten, und die bei wiederholten öffentlichen Corführungen im Lauf der Jahre zuletzt bei einer Tagung b9 Körperkultur in Wiesbaden uneingeſchränkte Anerkennung und reichen Beifall erfuhren.

So iſt denn in unſerem Freiübungsbetrieb das körperlich Wertvolle in ſchwunghafter, fließender Form in den Vordergrund gerückt. Worauf wir aber beſonderes Gewicht legen, das iſt die Vermittlung des Lerſtändniſſes für den körperbildenden Wert all der Übungen. Unſere Jungen ſollen und müſſen wiſſen, warum, zu welchem Zwecke dieſe oder jene Übung dargeboten wird.

Wie ſchon erwähnt, bedeutet uns dieKörperſchule mehr Mittel zum Zweck. Reichlicher als wir erhofft haben, hat dieſe vorbereitende Arbeit Früchte getragen. Die durchſchnitt⸗ lichen Leiſtungen in den volkstümlichen Übungen ſind in den gleichen Altersſtufen bezw. Klaſſen von Jahr zu Jahr geſtiegen, desgleichen wurden die Höchſtleiſtungen in den einzelnen Ubungsarten immer wieder überboten. Ein reiches einwandfreies ſtatiſtiſches Material gibt trefflichen Aufſchluß darüber.

Weit wichtiger jedoch als das Verfolgen und Vergleichen der Durchſchnittsleiſtungen in den meßbaren Übungen unſeres deutſchen Turnens dünkte uns die laufende Aufzeichnung der Leiſtungen des Einzelſchülers, um dadurch ein klares Bild ſeines körperlichen Wachstums, ſeines Leiſtungszuwachſes, ſeines Leiſtungsſtillſtandes oder auch Leiſtungs- verfalles zu erhalten.

Das haben wir erreicht durch eine für jeden Schüler unſerer Anſtalt geführte Leiſtungs urkunde, in die von Vierteljahr zu Lierteljahr die jeweils erreichten Leiſtungen in den volkstümlichen Ubungen eingetragen werden. Dazu kommt halbjährlich der Eintrag ſeiner Körperlänge, ſeines Gewichts und des Bruſt- und Atemumfanges. Es iſt nun hoch intereſſant, auf dieſe Weiſe das Körper- und Leiſtungswachstum des Schülers zu ver⸗ folgen. Für den unterſuchenden Schularzt gibt die Leiſtungsurkunde ein inſtruktives Material ab.

Um nun auch den Eltern Einblick in die körperlichen Wachstumsverhältniſſe ihrer Söhne zu geben, wurde ein Leiſtungsbuch(von Turnlehrer L. Möller) eingeführt, in welchem wie auf der Leiſtungsurkunde alle Leiſtungen in den einzelnen UÜbungen, ſowie die Körpermaße, ihren Niederſchlag finden. Für den Schüler ſelbſt iſt es ſehr anregend, daß er aus der für jede Übungsart beigegebenen Tabelle mit den Leiſtungsanforde rungen in einem beſtimmten Alter, herausleſen kann, was er zu leiſten hat, um eine

2

60