Mannes, ein dienendes Glied für das Ganze zu werden, die ihn ein harmoniſches Weſen von Körper und Geiſt werden läßt. Die Leibeserziehung der Jugend ſoll ſich der Ge— ſamterziehung als vollwertiger Beſtandkeil einordnen. Wir ſtellen— im Gegenſatz zu früher— das Individuum in den Mittelpunkt der Leibeserziehung, nicht das Gerät, nicht die Ubung— ſie ſind uns nur Mittel zum Zweck. 3
In den Richllinien für die Lehrpläne in den Leibesübungen an den höheren Schulen heißt es:„Die Leibeserziehung hat praktiſche Geſundheitspflege zu leiſten, deren die Jugend in den entſcheidenden Jahren ihrer körperlichen Entwicklung bedarf, um die für Leben und Beruf nötige Spannkraft und Leiſtungsfähigkeit zu gewinnen. Wichtiger noch iſt ihre Aufgabe, an ihrem Teil und den ihr eigenen Mitteln zur Charakter⸗ und Perſönlichkeits⸗ bildung beizutragen. Ihr ideales Ziel iſt der an Leib und Seele geſunde, lebensvolle und lebensfrohe, leiſtungsfähige, harmoniſch gebildete Menſch, der den Willen zur Einordnung in die Gemeinſchaft beſitzt und dadurch zur Unterordnung erzogen und auch zum Fuͤhrer⸗ tum gereift iſt.“
Wir freuen uns, daß wir an der Adlerflychſſchule dieſen amtlichen Richllinien vorausgeeilt ſind, daß ſich die körperliche Erziehung unſerer Schüler ſchon ſeit Jahren im Geiſte der „Richllinien“ vollzogen hat.
Nicht die techniſche Fertigkeit iſt unſer Ausbildungsziel, ſondern die planmäßige Ent— wicklung von Gewandtheit, Kraft, Mut, Schnelligkeit und Ausdauer des Einzelnen bis zur perſönlichen Höchſtleiſtung. Werfen wir einen Blick auf die Übungsgebiete, die dieſem Ziele dienen.
Im Nittelpunkt unſeres Ubungsbetriebes vom Frühjahr bis in den Spätherbſt hinein ſtehen die volkstümlichen ÜUbungen, die Übungen des Laufens, Springens, Werfens und Stoßens— und in dieſer Reihe ſteht obenan der Lauf. Da dieſe Übungen rationell nur im Freien betrieben werden können, ſo wäre es unverſtändlich und unverzeihlich, wollten wir nicht auch die geſundheitliche Wirkung von Luft und Sonne auf den Körper aus— nutzen, d. h. mit nacktem Oberkörper turnen laſſen. Den Schülern die Einſicht in dieſe geſundheitfördernde Maßnahme zu vermitteln, war immer vornehmſte Aufgabe für uns. Gleichzeitig wollten wir den jugendlichen Körper ſyſtematiſch abhärten. Bei einem Teil unſerer Schüler iſt es gelungen, d. h. ſie haben jede Turnſtunde im Jahr— alſo auch die Winterturnſtunde, und das oft bei nur wenig Grad über Null— mit nacktem Ober— körper erlebt und haben infolge der andauernd erwärmenden Übungen keinerlei Schaden erlitten. Ich freue mich herzlich über dieſe Wenigen, die ſtandhaft allen Frankfurter „Seelwärmer“Gepflogenheiten aus dem Wege gegangen ſind. Möchten ſie doch recht viele Nachahmer finden!
In der warmen Jahreszeit dagegen machen wir keine Ausnahme. Der jugendliche Körper — und nicht nur dieſer— hat ein Anrecht auf Luft und Sonne, und es durchrieſelt den Körper ein köſtliches Gefühl, wenn er befreit iſt von allem Einengenden, wenn Luft und Sonne auf die Haut einwirken und mit der Zeit eine geſunde Bräune erzeugen. Wo auch die Adlerflychtſchüler in den letzten Jahren mit ihren Übungen öffentlich aufgetreten ſind, hat ſtets ſchon die äußere Erſcheinung der Jungen(nur mit ſchwarzer Sporthoſe, bei ſonſt nacktem Körper, bekleidet) den günſtigſten Eindruck gemacht und den Wert ihrer
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