ſondern auch einer unſer bedeutendſten Naturforſcher, der auf den verſchiedenſten Gebieten richtunggebend und bahnbrechend ſich betätigt hat. Ein Goethe, ein Leibniz und ein Kant ſind für uns Gipfelpunkte deutſchen Menſchentums, und ſie ſind uns leuchtende Beiſpiele dafür, daß es ſich bei den Naturwiſſenſchaften und den Geiſteswiſſenſchaften nicht um Gegenſätze handelt, die ſich ausſchließen, ſondern um ſolche, die erſt in gegenſeitiger Be— fruchtung wahre Kultur erzeugen.„Wer das Höchſte will, muß das Ganze wollen; wer vom Geiſte handelt, muß die Natur, wer von der Natur ſpricht, muß den Geiſt voraus⸗ ſetzen oder im ſtillen mitverſtehen.“ Dieſe Mahnung Goethes ſoll Leitſtern für unſere Arbeit in der Schule ſein! Wenn wir in dieſem Sinne unſerer Erziehungsarbeit geſtalten und wenn wir das Weltbild der modernen Naturwiſſenſchaft durchtränken mit dem Idealismus unſerer großen deutſchen Dichter und Denker, dann wird auch der junge Menſch, der aus der Schule ins Leben trift, mit Fauſt ſagen können:
Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen
Der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen,
Mit Stürmen mich herumzuſchlagen,
Und in des Schiffsbruchs Knirſchen nicht zu zagen.
IV. Über die körperliche Erziehung unſerer Schüler. Lon Louis Möller.
E⸗ mußte erſt die furchtbare Notzeit über das deutſche Lolk hereinbrechen, um der An⸗ ſchauung über die körperliche Erziehung unſerer Jugend, auf deren Schultern die Zukunft des Laterlandes liegt, eine neue Richtung zu geben, eine Richtung, die das Weſentliche in den Vordergrund rückt.
Blicken wir zurück auf die Zeit unſerer Jugend, auf den Turnunterricht, den wir in der Schule genoſſen haben. Gut, wir haben geturnt und geſpielt, oder man ließ uns turnen, es fehlte auch nicht an Freude— aber, was dieſer körperlichen Erziehung fehlte, das war eine klare Zielſetzung, die Betonung des„Warum und Wozu?“ Das„Zufällige“ im Turnbetrieb überwog das Planmäßige der Heranbildung. Und wenn ſchon, dann ſtanden mehr oder minder das Gerät und die Ubung im Mittelpunkt des Geſchehens. Um den werdenden Menſchen, die Einheit von Körper und Geiſt, kümmerte man ſich wenig. Die körperliche Erziehung war und blieb eine Sonderſache, die im Rahmen der Geſamterziehung eine nur kümmerliche, wenn nicht gar eine bedeutungsloſe Rolle ſpielte.
Mit dieſer Anſchauung hat die neue Zeit gebrochen. Einſichtige hatten ſchon beizeiten den Irrweg erkannt und ſuchten auf eigene Fauſt einen Ausweg. Alles um des jugendlichen, heranwachſenden Menſchen willen! Nicht Muskelakrobatik, ſondern Erfaſſung des ganzen Menſchen, des Produktes aus Körper und Geiſt. Sie ſuchten Wege zu einer Körper⸗ kultur, die den jugendlichen Menſchen hineinwachſen läßt in die Aufgabe des deutſchen
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