In der Inſchrift an dem Stammhauſe der Familie Krupp ſteht der Satz:„Der Zweck der Arbeit ſoll das Gemeinwohl ſein, dann bringt Arbeit Segen, dann iſt Arbeit Gebet.“ Zu ſolcher Auffaſſung der Arbeit muß ſchon in der Schule der Grund gelegt werden. Aus ſolcher Einſtellung heraus und aus dem Gefühl der Cerbundenheit mit dem All wird auch das richtige Lertrauen der Zukunft gegenüber in das Herz der Jugend ziehen. Nur ſo werden wir ſie davor bewahren, dem Kulturpeſſimismus zu verfallen, der heute ſo modern iſt und der den Lebenswillen des deutſchen Volkes zu untergraben droht.
Das heranwachſende Geſchlecht ſoll aus dem naturwiſſenſchaftlichen Unterricht die Überzeugung mit ins Leben nehmen, daß unſere gegenwärtige Kultur die Arbeit von Millionen und Abermillionen von Köpfen und Händen iſt, die einmal waren und nicht mehr ſind und daß unſer Schaffen nur das fortſetzt, was andere begonnen haben. Das Gefühl der Abhängigkeit von der Vergangenheit muß jedoch ergänzt werden durch das Gefühl der Verantwortung der Zukunft gegenüber. Die Cergangenheit iſt tof! Aber die Zukunft liegt in unſerer Hand, und ihr ſoll all unſer Schaffen gehören!
Bei unſerer Betrachtung gingen wir davon aus, daß der Schüler bei ſeiner Einſtellung der Natur gegenüber den Blick für das große Ganze nicht verlieren darf— er muß die Ein- heit der Welt und des Lebens, die trotz und neben aller Lielheit beſteht, erlebt und empfunden haben. Unſere Ausführungen ſchließen damit, daß wir uns auch in die Welt der Kultur einfügen müſſen, wenn wir wahrhaft Menſch werden wollen. Natur und Kultur ſind die beiden Pole unſeres Daſeins, und beiden Mächten gegenüber gilt das Goethewort:
Immer ſtrebe zum Ganzen, und kannſt du ſelber kein Ganzes
Werden, als dienendes Glied ſchließ an ein Ganzes dich an.
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In gleicher Weiſe, wie das hinſichtlich der ethiſchen Erziehung ausgeführt wurde, ließe ſich zeigen, daß der naturwiſſenſchaftliche Unterricht auch die äſthetiſche Erziehung fördern und daß er wie kein anderes Fach die Grundlage einer philoſophiſchen Bildung ſchaffen kann. Eine ſolche Durchgeiſtigung des Unterrichtes mit dem Ziele, daß die erzieheriſchen und bildenden Werte unſerer Fächer mehr zur Geltung kommen, bedeutet keine Lermehrung des Unterrichtsſtoffes, ſondern eine Lertiefung und Leredelung unſerer ganzen Arbeit in der Schule.
Auch der naturwiſſenſchaftliche Unterricht kann und muß zu wahrem Menſchentum hin⸗ leiten, und die ſogenannte„reale Bildung“, wie ſie uns heute vorſchwebt, ſteht nicht im Gegenſatz zur„humaniſtiſchen Bildung“.„Schon faſt ſeit einem Jahrhundert wirken Huma- niora nicht mehr auf das Gemüt deſſen, der ſie treibt, und es iſt ein rechtes Glück, daß die Natur dazwiſchen getreten iſt, das Intereſſe an ſich gezogen und uns von dieſer Seite den Weg zur Humanität geöffnet hat.“ So erklärt Goethe! Der höheren Schule, die auf die Miearbeit der Naturwiſſenſchaften bei der Bildungsarbeit verzichtet, wird und muß es daher ergehen wie Antäus, den ſeine Kraft verläßt, ſobald er die Erde, ſeine Mutter, nicht mehr berührt.
Naturwiſſenſchaften und Geiſteswiſſenſchaften müſſen ſich ergänzen und gegenſeitig ſtützen, wenn wir zu wahrem Menſchentum erziehen wollen, und jede Einſeitigkeit nach der einen oder anderen Richtung müßte ſich bitter rächen. Goethe iſt nicht nur unſer größter Dichter,
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