des Nurnützlichen. Und auch die Ethik muß Ideale haben, die über allem verſtandes⸗ mäßigem Nutzen ſtehen. Ohne tiefes Gerantwortungsgefühl nützt uns auch der energetiſche Imperativ nichts.
In dem Handelsteil unſerer Zeitungen kann man heute immer wieder leſen, daß unſere Fabrikationsmethoden rückſtändig ſind und daß wir bei den Amerikanern in die Schule gehen müſſen, wenn wir wieder konkurrenzfähig mit dem Auslande werden wollen. Bei der Organiſation der Fabrikarbeit nach amerikaniſchem Muſter handelt es ſich nun darum, daß die Zerlegung des Arbeitsprozeſſes in einzelne Teile in der raffinierteſten Weiſe aus⸗ geſtaltet worden iſt. Dadurch hat man die Leiſtungsfähigkeit der Fabriken außerordent⸗ lich geſteigert und eine ganz erhebliche Verbilligung der Produktion erreicht.
Auch die Arbeitsteilung iſt keine Erfindung des Menſchengeiſtes, es handelt ſich hier vielmehr um ein Prinzip, das uns in der geſamten Natur entgegentritt. Im biologiſchen Unterricht ſoll der Schüler erfahren, wie in den Zellenvereinigungen die zu leiſtenden verſchiedenen Aufgaben von verſchiedenen Zellen übernommen werden und wie dadurch die Leiſtung geſteigert wird. Die Arbeitsteilung führt ſchließlich zur Bildung der Gewebe und zur Differenzierung in die verſchiedenen Organe und wird damit zum weſentlichen Mittel des Fortſchritts in der organiſchen Entwicklung. Je höher ein Lebeweſen entwickelt iſt, deſto differenzierter iſt ſein Körper; und das Ausmaß der Arbeitsteilung iſt ein Maßſtab für die erreichte Entwicklungsſtufe.
Auch im Leben des Geiſtes herrſcht das Prinzip der Arbeitsteilung. Und heute hat ſich ja die Wiſſenſchaft in einer Weiſe in Teilgebiete aufgelöſt, ſo daß es immer ſchwieriger und faſt unmöglich wird, den Ueberblick über das Ganze zu behalten. Gerade aus dieſem Grunde ſind wir ja beſtrebt, wenigſtens in der Schule die Einheit der Wiſſenſchaft in den Lordergrund zu ſtellen, damit der Schüler auch hiervon eine Lorſtellung bekommt, ehe er ſelbſt in die Welt der Arbeitsteilung eintritt.
Durch die Arbeitsteilung wird die Leiſtung der einzelnen Zelle, des einzelnen Organs oder des einzelnen Individuums in eine einſeitige Richtung gedrängt. Und erſt, wenn alle verſchiedenen Tätigkeiten ineinandergreifen, wird ein Organismus von höherer Art erzeugt. Nur wenn Hand in Hand mit der Arbeitsteilung Arbeitsvereinigung geht, ent⸗ ſteht ein Fortſchritt in der Grganiſation.
Das Ergebnis von Arbeitsteilung und Arbeitsvereinigung iſt, daß der einzelne nicht mehr nur für ſich allein arbeitet, ſondern daß das, was er ſchafft, auch den anderen zugute kommt. Damit wird aber auch jedes Einzelweſen umgekehrt auf die Unterſtützung ſeiner Genoſſen angewieſen— und auch die Gemeinſchaft bedarf zu ihrem Gedeihen die Hilfe jedes ihrer Glieder. Ohne das Gefühl der Cerantwortung der Gemeinſchaft gegenüber iſt ſoziales Leben nicht möglich. Auch in dieſer Beziehung kann Goethe Führer unſerer Jugend ſein. Sein dich⸗ teriſches Schaffen mündet in dem Bekenntnis, daß nur die Tätigkeit für andere und das Wirken im Dienſte der Allgemeinheit den Menſchen wahrhaft glücklich machen kann. Fauſt, der Typus des ringenden Menſchen, ſucht den Sinn des Lebens zu erfaſſen. Alles, was die Welt als höchſtes Glück preiſt, hat er gekoſtet— und alles hat ihn unbefriedigt gelaſſen. Erſt als er dem Meere ſeinen Raub ſtreitig macht, als er den Sumpf in fruchtbaren Boden umwandelt, der Millionen Raum und Nahrung gewähren wird, genießt er den höchſten Augenblick ſeines Lebens.
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