Aufsatz 
Aus der Geschichte der Schule
Entstehung
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Die Rohſtoffe und die freien Energien ſind ihrer Menge nach begrenzt, und ſo ergibt ſich für die Technik die Notwendigkeit, mit den vorhandenen Mitteln möglichſt haus⸗ hälteriſch umzugehen.Vergeude keine Energie; verwerte ſie! iſt der oberſte Grundſatz alles kechniſchen Schaffens. Wenn wir unſere Fabrikationsmethoden verbeſſern, wenn wir immer billiger produzieren wollen, folgen wir dieſem Grundſatz. Jede neue Maſchine, die an Betriebsſtoff ſpart oder die eine erhöhte Lebensdauer hat, verwirklicht die gleiche Idee. Die Entwicklung der chemiſchen Technologie, von der unſere Schüler an einigen Beiſpielen etwas erfahren ſollen, lehrt in eindringlicher Weiſe, wie Stoffe und Abfall produkte, die zunächſt ſchädlich waren, in ſolche umgeformt wurden, die dem Menſchen nützlich ſind, und wie eine immer beſſere Ausnutzung der Rohprodukte erreicht wird. Durch den verlorenen Krieg ſind wir bettelarm an manchen Rohſtoffen geworden, und jede Nichtachtung desenergetiſchen Imperativs iſt ein Lerbrechen an der Lolksgemein- ſchaft. Unſere Arbeitskraft iſt heute unſer wertvollſtes Gut, das uns zu koſtbar ſein ſollte, als daß wir es vergeuden.

Das Streben nach Krafterſparnis ſtellt keine Tendenz dar, die nur in der Technik ver⸗ wirklicht wird. Im naturwiſſenſchaftlichen Unterricht ſollen vielmehr unſere Schüler lernen, daß der Menſch auch in dieſer Beziehung nur das forſſetzt, was ſich in gleicher Weiſe in der belebten wie in der unbelebten Natur zeigt. Wenn die Technik keine Energie ver geuden will, wenn ſie Höchſtleiſtungen unter Anwendung möglichſt geringer Mittel erzielen will, ſo folgt ſie damit nur dem Vorbild der Natur, und ſchon der Grashalm kann unſere Jungen lehren, wie ſparſam das Leben mit ſeinen Kräften und Stoffen umgeht. In anderem Zuſammenhang haben wir bereits darauf hingewieſen, daß die Natur kein überflüſſiges Organ duldet, daß jedes Organ, das nicht gebraucht wird, der Degeneration verfällt.

Auch unſer Denken erfolgt gemäß demPrinzip des kleinſten Kraftmaßes. Begriffe, Formeln und Naturgeſetze, die für alle Fälle gelten, bedeuten eine Erſparnis geiſtiger Energie, das können ſchon kleine Schüler einſehen und verſtehen. Auch in der Wiſſenſchaft will man die Welt aus möglichſt wenigen und möglichſt einfachen grundlegenden Begriffen und Hypotheſen aufbauen. Es wäre ein leichtes, dieſe Beiſpiele zu vermehren, die uns im Schulunterricht aller naturwiſſenſchaftlichen Fächer auf Schritt und Tritt entgegentreten.

Wilhelm Oſtwald hat gefordert, daß derenergetiſche Imperativ unſer geſamtes Leben von der Technik bis zur Ethik regeln müſſe.Wir wagen gar nicht auszudenken, welche Unſumme von Energievergeudung dadurch vermieden würde, wenn die Menſchen vor wiegend richtig dächten. Und ebenſo, wenn alle Menſchen gut und edel handelten. Alle Energieen, die wir gegenwärtig für Juſtiz und Strafe, für Regierung und Polizei auf⸗ wenden müſſen, würden plötzlich für edlere Zwecke frei werden.

Es iſt ganz zweifellos, daß der GrundſatzLergeude keine Energie! als ethiſcher Grund ſatz zu werten iſt und auch in dem naturwiſſenſchaftlichen Unterricht dem Schüler in ſeiner ganzen Bedeutung für unſer Handeln gezeigt werden ſollte. Con Wichtigkeit iſt es, daß dabei von den Schülern erkannt wird, daß das Sparen niemals Selbſtzweck und daß die Erzielung von Höchſtleiſtungen die Hauptſache iſt.

Man muß ſich überhaupt vor der Einſeitigkeit hüten, als ob der energetiſche Imperativ nun die Ethik erſetzen könnte. Das Leben iſt ſchöpferiſch und überſchreitet die Grenzen

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