Kunſtwerken für weniges Geld erſtehen können, ſo verdanken wir das der Technik— ohne ſie würde die Kunſt ihre Miſſion als Freudeſpenderin nicht ausüben können.
Trotz der unzähligen Wohltaten, mit der die Technik uns beſchenkt, ſtehen die meiſten Menſchen ohne jede innere Beziehung zu ihren Schöpfungen. Ja, es iſt heufe Mode geworden, die Kulturmacht, der wir alles verdanken, was wir ſind und haben, zu verachten und zu ver— läſtern. Es iſt ein Mangel an ſittlichem Empfinden, der aus ſolcher Einſtellung ſpricht — aber Undank iſt ja nun einmal der Welt Lohn!
Der Rationalismus unſerer techniſchen Kultur ſoll daran ſchuld ſein, daß der Idealismus immer mehr aus der Welt verſchwindet und daß Materialismus und Egoismus ſich immer breiter machen. Die Tatſache als ſolche mag zugeſtanden werden, aber auch hier ſollte man die Wurzel in den niederen Inſtinkten der Menſchen ſuchen. Man kann doch die Buchdruckerkunſt und etwa den Kinematographen nicht deshalb verwerfen, weil es gemeine Naturen gibt, die dieſe Dinge zu niederen Zwecken mißbrauchen. Eine techniſche Erfindung ſteht jenſeits von Gut und Böſe— und man ſollte nicht da von den Schädi— gungen unſerer techniſchen Kultur reden, wo es ſich um Auswüchſe von Gewinnſucht oder um andere niedrige Inſtinkte handelt.
Technik und Idealismus brauchen keine Gegenſätze zu ſein, die ſich ausſchließen. Um das zu erkennen, braucht man ſich das Leben der großen Erfinder nur einmal etwas genauer anzu— ſehen. Sorgen, Kummer und Enttäuſchung umſäumen den Lebenspfad von manchem der Bahn⸗ brecher unſerer techniſchen Kultur. Trotz aller Mißerfolge aber haben ſie zähe an dem feſtge— halten, was ſie für richtig erkannten. Nur zu häufig haben ſie ihr perſönliches Glück der Idee, für die ſie kämpften, zum Opfer gebracht; und ſie haben mit glühendem heiligen Eifer an ihrem Werk geſchaffen, für das die Mitwelt nur Spott und Hohn hatte. Weshalb fanden ſich ſo viele Männer, die alle Rückſichten auf Leben und Geſundheit zurückſtellten, um das Reich der Luft dem Menſchen zu erobern? Der Idealismus, der zu Taten führt, trieb ſie an, und ſie gaben ihr Leben hin für die Idee. Und ſie erreichten es auch, daß der Traum ſo manches kühnen Geiſtes, dem Logel gleich die Luft zu durchfliegen, Wirklich- keit wurde. Die Geſchichte der Technik zeigt uns viele Männer mit kühnem Wagemut, für die das Ringen mit der Natur eine ſittliche Tat war. Als leuchtende Corbilder können wir ſie unſerer Jugend vor die Seele ſtellen— und gerade von dieſem Standpunkt fordern wir heute die Berückſichtigung der Geſchichte der Technik im Unterricht.
Mit Recht fordern die Lertreter der Technik von der höheren Schule, daß dieſe die falſche Einſtellung auch der ſogenannten Gebildeten unſerer techniſch orientierten Kultur gegen— über bekämpfe und richtig ſtelle.
Wir Lehrer der Naturwiſſenſchaften erkennen dieſe Forderung als berechtigt an. Wir wollen nicht darauf verzichten, Menſchen zu erziehen, die ſich in der modernen Kultur zurechtfinden können, und deshalb muß der naturwiſſenſchaftliche Unterricht durch größere Betonung der Technik eine Brücke ſchlagen zum Leben und Treiben der Gegenwart. Da manche neueren Lehrbücher dieſe Forderung dadurch verwirklichen wollen, daß ſie eine Unmenge von techniſchen Einzelheiten an die Schüler heranbringen, ſo möge aus— drücklich betont ſein, daß es nicht hierauf ankommt. Wichtiger iſt es, daß der Schüler etwas vom Weſen und vom Sinn techniſchen Schaffens erfaßt. Und zur Erreichung dieſes Zieles können und müſſen alle naturwiſſenſchaftlichen Fächer beitragen.
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