Aufsatz 
Aus der Geschichte der Schule
Entstehung
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ſind ein ausgezeichnetes Erziehungsmittel, da ſie den Schüler zu genauem und ſorgfältigem Beobachten zwingen. Wenn wir außerdem dabei unſeren Schülern oberflächliches Denken abgewöhnen, wenn wir ihnen zeigen, wohin voreilige Schlüſſe fuͤhren, ſo fördern wir auch damit die Erziehung zur Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit gegen ſich ſelbſt.

Das Einfühlen und Einleben in die unperſönliche Nüchternheit und kritiſche Klarheit des naturwiſſenſchaftlichen Lehrgebäudes ſoll Männer heranbilden, die mit beiden Füßen feſt auf dem Boden der Wirklichkeit ſtehen und die, wenn es ſein muß, nüchtern und ſachlich auf ihr Ziel losgehen. Das ſchließt nicht aus, daß auch die ſchöpferiſche Phantaſie in unſerem Unterricht zu ihrem Rechte kommt. Auch ſie ſoll nicht verkümmern, aber lernen ſollen unſere Schüler, daß alle Cermutungen über das Weſen der Naturerſcheinungen immer wieder an der Wirklichkeit geprüft werden müſſen und daß nur auf dieſem Wege wiſſen ſchaftliche Wahrheit entſteht.

Die gewaltigen Fortſchritte, die die Erforſchung und Beherrſchung der Natur in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, können leicht zu einer Überſchätzung der Gegenwart führen. Geſchichtliche Betrachtungen ſollen hier ausgleichend wirken und zur Beſcheidenheit erziehen. Der Schüler ſoll erkennen, wie im Laufe der Entwicklung der Wiſſenſchaft auch das anſcheinend feſtgegründetſte Wiſſen immer wieder einmal ins Wanken kommt. Heute iſt das bei der Mechanik der Fall, die man für ſo ſicher fundiert gehalten hat, daß man auf dieſer Grundlage ſelbſt die Erſcheinungen des Lebens haterklären wollen. In der Chemie unſerer Tage zeigt ſich andererſeits, daß die uralte Vorſtellung der Alchemiſten von der Möglichkeit der Lerwandlung der Elemente, die man längſt zum alten Eiſen geworfen hatte, wieder lebendig und zur Grundlage der modernen Chemie geworden iſt.

Lerſchiedene Zeiten ſehen die gleichen Dinge mit verſchiedenen Augen an, aber auch in der Gegenwart ſteht ſehr häufig bei grundlegenden Fragen Meinung gegen Meinung. Einſteins Relativitätstheorie iſt ein ſolcher Zankapfel zwiſchen den Gelehrten unſerer Tage. Uud doch hat gerade Einſtein in konſequenter Weiſe gezeigt, welchen Einfluß die Wahl des Standpunktes, von dem aus man das Geſchehen betrachtet und beſchreibt, auf den Ablauf der phyſikaliſchen Erſcheinungen hat, und wie ſich die Beziehungen ändern, wenn man einen anderen Ruhepunkt und ein anderesBezugſyſtem wählt. Es bedarf lediglich der Ande rung des Standpunktes, und eine gradlinige Bewegung wird krummlinig; und ein Körper, der vorher ruhte, geht in den Zuſtand der Bewegung über. Wenn die Erkenntnis, daß die Dinge wirklich anders werden, daß ſie nicht nur andersſcheinen, ſobald wir unſeren Standpunkt ihnen gegenüber ändern, Allgemeingut des menſchlichen Denkens werden würde, ſo würde viel unnützer Zank und Streit aus der Welt verſchwinden. Auch unſere Schüler ſollen die Erkenntnis mit ins Leben nehmen, daß, wenn man ſeinen Gegner verſtehen will, man den Mut haben muß, zunächſt einmal auf ſeine Seite zu treten und feſtzuſtellen, woher es denn kommt, daß der andere das gleiche Ding mit ſo ganz anderen Augen anſieht.

Lon dem Abiturienten einer höheren Schule ſollte man verlangen, daß er eine Ahnung davon hat, welche Grenzen unſerer Erkenntnis gezogen ſind, wie das Weltbild abhängig von der Organiſation unſerer Sinne iſt und wie gering der Ausſchnitt aus dem wirklichen Geſchehen iſt, der uns durch die Sinnesorgane vermittelt wird.

Wichtiger als ein Uebermaß von Einzelkenntniſſen iſt es, daß der ins Leben tretende junge Menſch außerdem erfaßt hat, in welchem Umfang die Seele die Welt der Empfindungen

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