Aufsatz 
Aus der Geschichte der Schule
Entstehung
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Herrſchaft über uns ſelbſt zu geben, iſt verderblich, erklärt Goethe. Auch in dieſer Beziehung kann er Führer unſerer Jugend ſein, und wir wollen ſeine Worke unſeren Schülern als Lerpflichtung mit auf den Lebensweg geben:

Wer ſeinen Geiſt ſo viel gebildet hat

Und jede Wiſſenſchaft zuſammengeizt

Und jede Kenntnis, die uns zu ergreifen

Erlaubt iſt, ſollte der, ſich zu beherrſchen,

Nicht doppelt ſchuldig ſein?

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Die Kultur. Der Einfluß des Geiſtes reicht über den eigenen Körper hinaus, und mit Hilfe der Sinne ergreift die Seele die Außenwelt und erbaut ſich eine neue geiſtige Welt, die dank der Arbeit von Millionen und Abermillionen von Menſchengehirnen zu dem gewaltigen Bau der Kultur heranwächſt.

Die Naturwiſſenſchaft iſt das Inſtrument der Kultur, um die Welt der Lorſtellungen und Begriffe in Einklang zu bringen mit der Außenwelt. Das Ziel aller Forſchung iſt ein ethiſches, ſie will dieWahrheit erkennen und ihr zum Siege verhelfen nur das Wiſſen befreit uns vom Zwang der Lüge und vom Aberglauben!

Wenn wir heute fordern, daß die Geſchichte der Naturwiſſenſchaft mehr als bisher im Unterricht berückſichtigt werden ſoll, ſo geſchieht das aus der Erwägung heraus, daß wir den Schülern nicht nur das abſtrakte blutleere Syſtem etwa der modernen Phyſik oder Chemie geben dürfen. Wir wollen ihnen auch Willensimpulſe vermitteln, und deshalb ſollen ſie etwas von dem Leben unſerer großen Entdecker und Forſcher hören, die unſer Weltbild geſtaltet haben. In ihrem Kampf um die Wahrheit kannten ſie kein Kompromiß, und der ethiſche Zwang unbedingter Wahrhaftigkeit gegen ſich und andere war ſtärker als alle Rückſichten auf das eigene Wohlergehen. Durch ihren Spfermut und ihre Selbſtloſigkeit ſind ſie leuchtende Beiſpiele reinſten Menſchentums.

Wir ſind beſtrebt, den Schülern im naturwiſſenſchaftlichen Unterricht die Ergebniſſe der Wiſſenſchaft nicht in fertiger Form darzubieten, ſondern wir wollen ihnen den Weg zeigen, auf denen die Erkenntniſſe gewonnen ſind. Wir wollen ſie ſo vor blindem Autoritätsglauben bewahren und ſie dazu erziehen, daß ſie ſich die Dinge mit ihren eigenen Augen anſehen und daß ſie nicht nur das nachbeten, was ihnen vorgeredet wird oder was ſie irgendwo geleſen haben. Gerade die älteren Schüler haben eine Scheu, an den Dingen ſelbſt zu lernen, und es muß ihnen immer wieder geſagt werden, daß es eine ethiſche Forderung iſt, die Dinge ſo wiederzugeben, wie ſiewirklich ſind. Die Erziehung zum Wirklichkeits ſinn iſt eine der Hauptaufgaben des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichtes. Das Volk der Dichter und Denker braucht eine ſolche Erziehung, und es braucht ſie heute doppelt, wo die Beſchäftigung mit Okkultismus und Spiritismus bei vielen unſerer Zeitgenoſſen den klaren unbeſtochenen Blick für die Gegenwart und ihre Forderungen trübt.

Aus ſolchen Erwägungen heraus fordern wir auch den Arbeitsunterricht für unſere Fächer. Und wir bedauern es, daß einer ſolchen Umgeſtaltung des Unterrichts leider immer noch ſo viele Schwierigkeiten im Wege ſlehen. Praktiſche Ubungen, die aus dem Unterricht herauswachſen,

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