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Wie entwickelten ſich die deutſchen Einheitsbeſtrebungen? Zu dieſem Schulakte beehrten Se. Excellenz der Herr Oberpräſident Graf zu Eulenburg und Herr Provinzial⸗Schulrat Dr. Lahmeyer die Anſtalt mit ihrem Beſuche. Nachmittags unternahm die Anſtalt einen feſtlichen Auszug nach der ſog. Dönche und verbrachte dort unter der willkommenen Teilnahme zahlreicher Angehörigen der Lehrer und Schüler und vieler Freunde der Anſtalt einen feſtlich frohen Nachmittag mit Schauturnen, Wettſpielen, Geſang und Tanz.
Das Sommerſemeſter wurde am 22. September in Gegenwart des Herrn Provinzial⸗Schulrates Dr. Lahmeyer mit einer öffentlichen Schlußfeier und der Entlaſſung der Abiturienten geſchloſſen, nachdem an den beiden vorhergehenden Tagen eine öffentliche Prüfung der Herbſtklaſſen ſtattgefunden hatte.
Während der Herbſtferien wohnten der Direktor und fünf Lehrer mit neun Primanern am 28. September der feierlichen Enthüllung des Nationaldenkmales auf dem Niederwalde bei.
Das Winterſemeſter und mit ihm das neue Herbſt⸗Schuljahr begann am 8. Oktober.
Die herkömmliche gemeinſchaftliche Feier des heiligen Abendmahles wurde von den evangeliſchen Lehrern und Schülern am Sonntag den 4. November in der St. Martinskirche begangen.
Der 10. November 1883, als der Tag, an welchem vor 400 Jahren der große Reformator Dr. Martin Luther geboren war, wurde von dem Gymnaſium mit beſonderer Liebe und Freudigkeit begangen. Nach⸗ dem eine größere Anzahl von Lehrern und Schülern dem feſtlichen Schulgottesdienſte in der St. Martinskirche beigewohnt hatte, begann der feierliche öffentliche Schulakt des Gymnaſiums um 11 Uhr vormittags in dem durch die Schüler mit Fichtenguirlanden, Büſten, Bildern und Fahnen feſtlich geſchmückten Saale der eben fertig geſtellten Turnhalle. Der große Umfang dieſes Raumes geſtattete es, zum erſtenmale wieder ſeit vielen Jahren nicht nur die geſamte Zahl der evangeliſchen Schüler zur Teilnahme an einem feſtlichen Schulakte zu vereinigen, ſondern auch eine große Anzahl von Angehörigen der Lehrer und Schüler und von Freunden der Anſtalt als Gäſte zu empfangen. Unter letzteren befand ſich auch Herr Provinzial⸗Schulrat Dr. Lahmeyer. Nachdem der Schülerchor den Choral„Lobe den Herrn ꝛc.“ geſungen hatte, hielt der Direktor eine kürzere Anſprache zur Begrüßung der Gäſte und zur Einweihung der Turnhalle. Hierauf wechſelten Vorträge der Schüler H. Diemar(la), W. Heller(Vb), F. Wilken(IIIa), G. Schnabel(IlIId), J. Dracklé (Ilb), F. von Haſſelbach(IVb), A. Schmitt(Ilc), S. von Brauchitſch(Vla) und E. Hage⸗ dorn(Ib)— die meiſten dieſer Vorträge waren einer von dem Religionslehrer Pfarrer Fürer in Verſen abgefaßten Lebensbeſchreibung Luthers entnommen— mit dem Geſange von Chorälen ab. Nachdem ſodann der Schülerchor noch eine Motette vorgetragen hatte, ſprach der ord. Lehrer Lic. theol. Ortel in längerer Rede über die Entwickelung und Bedeutung der Reformation. Hierauf ſang die ganze Feſtverſammlung unter Begleitung von Poſaunen das Lutherlied„Eine feſte Burg ꝛc.“ Zum Schluſſe verkündigte der Direktor noch zwei auf das Lutherfeſt bezügliche Beſchlüſſe der Lehrerkonferenz. Nach dem erſten dieſer Beſchlüſſe hat das Lehrerkollegium zur immerwährenden Erinnerung an dieſe Lutherfeier ein Univerſitätsſtipendium geſtiftet, welches ſolchen bedürftigen Studierenden der evangeliſchen Theologie, welche mit einem Reifezeugniſſe vom hieſigen Gymnaſium entlaſſen worden ſind, als eine Beihülfe zu ihren Studienkoſten im Betrage von mindeſtens je 100 Mark jährlich gewährt werden ſoll. Dieſes Stipendium ſoll den Namen tragen„Luther⸗Stipendium des Gymnaſiums(Lyceum Fridericianum) zu Caſſel 1883“ und ſich nur aus freiwilligen Beiträgen bilden und vermehren, welche ihm von Lehrern und von Freunden der Anſtalt ſowie von dankbaren Schülern zufließen. Die Teilnahme, welche dieſe Stiftung bisher gefunden hat(ſ. u. S. 42), läßt hoffen, daß das Stiftungskapital in nicht allzuferner Zeit die zur Verleihung eines erſten Stipendiums erforderliche Höhe von 3000 Mark erreichen werde. Gemäß dem zweiten der oben gedachten Beſchlüſſe überreichte der Direktor nach Beendigung der Schulfeier einem jeden evangeliſchen Schüler des Gymnaſiums ein ſchön eingebundenes


