Aufsatz 
Wirtschaftliches im altsprachlichen Unterricht / von Dr. P. Schott
Entstehung
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13.

mit Alexander abgebrochen. Und doch ist es gerade die Zeit des Hellenismus, der Graecia militans, der wir das Hellenentum verdanken. Etwas wenigstens sollten die Schüler von der Entstehung und Entwicklung des Hellenismus, dem Werden, der Blüte auch der wirtschaftlichen und dem Verfall der hellenistischen Reiche erfahren. Gerade über die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Epoche sind wir gut unterrichtet, und jeder Tag bringt neue Aufschlüsse. Freilich, die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben; noch viel kürzer und knapper aber ist die Zeit, die der alten Geschichte auf der Schule zu- gemessen ist.

Die römische Geschichte leidet erst recht unter der Knappheit der Zeit und kann der griechischen gewiss nichs abgeben. Freilich, wenn man in Sekunda auf Sammiter kriege und Etruskerkriege eingeht, bei Virginia und den Gänsen des Kapitols verweilt, heisst das mit der kostbaren Zeit Verschwendung treiben. Das sind zum Teil sehr hübsche Geschichtchen, aber von König Laurin und König Rother auch sehr schönen Sagen hört man nichts in der deutschen Geschichte.

Die römische Geschichte beginnt mit dem Jahre 280, mit dem Eingreifen des Hellenismus in die römischen Verhältnisse, genau wie die deutsche, die französische Geschichte in dem Augenblick beginnt, wo die Germanen, die Gallier mit dem Helle- nismus in seiner römischen Spielart in Berührung treten: Was vor dem Jahre 280 war, ist Vorgeschichte; was uns davon erzählt wird, fast durchweg Sage oder Roman.

Die Kriegsgeschichte ist nach Möglichkeit einzuschränken. Beim zweiten punischen Kriege mag man eine Ausnahme machen, die Gründe liegen auf der Hand. Weggelassen sollten namentlich die militärischen Einzelheiten der Kämpfe, in denen Rom die Diadochen- reiche bezwingt, seine Weltmachtstellung erringt, befestigt und behauptet. Z. B. ist eine technisch genaue Schilderung der Schlacht bei Magnesia so interessant sie ist ent- behrlich und sollte zu Gunsten von Wichtigerem fortbleiben.

Wichtiger und wertvoller als eine ausführliche Darstellung der Kriegsgeschichte von 200 133 ist eine eingehende Behandlung der inneren Geschichte von 133 ab. Ich habe oben über die Behandlung dieser Zeit im lateinischen Unterricht gesprochen(Sallust). Natürlich muss im Geschichtsunterricht einzelnes anders gemacht, vor allem die äussere Geschichte viel ausführlicher erzählt werden. Im ganzen aber dürfte dieselbe Methode zu wählen sein Da das bellum Catilinae meist vor dem zweiten Halbjahr der Ober- sekunda gelesen wird, stösst der Geschichtslehrer auf Bekanntes. Es wird also seine Aufgabe sein, zu wiederholen, zu ergänzen und zu erweitern.

Bei der Begründung des Prinzipates sind die wirtschaftlichen Reformen des Cäsar und Augustus nicht zu vergessen. Auch die antimalthusianistischen Massregeln des Augustus dürfen nicht unberührt bleiben; sie wurzeln nur zum kleineren Teil in sittlichen Motiven, im Vordergrund stehen wirtschaftspolitische Erwägungen. Die Zeit wird ver- mutlich nicht dazu ausreichen, auf die Kaiserzeit näher einzugehen; auch in Unterprima nicht, wo sie ja ebenfalls gestreift werden muss. So wird es auch unmöglich sein, von Trajan, dem Sozialpolitiker auf dem Thron der Cäsaren, eingehend zu sprechen. Immer- hin wäre es interessanter und lohnender, einen Blick auf seine sozialpolitischen Massregeln zu werfen, als die Namen der Provinzen aufzuzählen, die er doch nur auf mehr oder weniger kurze Zeit erobert hat. Ich habe diese Namen als Junge auswendig be- halten müssen.

Soviel Zeit aber wird und muss für das Kaiserreich übrig bleiben, dass man die Gründe seiner äusseren Blüte und seines inneren Zerfalles besprechen kann. Beides nängt ja eng zusammen. Man wird darauf verweisen, dass jene Bestrebungen des Augustus erfolglos geblieben sind und dass dieser Umstand das meiste zum Untergang des Reiches beigetragen hat.

Eine kleine Entschädigung für den Ausfall im Geschichtsunterricht bietet die ein- gehende Behandlung wenigstens des ersten Jahrhunderts n. Chr. in Prima, zu der die