Aufsatz 
Wirtschaftliches im altsprachlichen Unterricht / von Dr. P. Schott
Entstehung
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12.

verlangt sein Recht neben dem des Lehrers, dem ethischen, pädagogischen. Die Ge- schichtswissenschaft hat in den letzten Generationen die Bedeutung des wirtschaft- lichen Geschehens für die Geschichte anerkannt; zumal die Forschung auf dem Gebiet des Altertums hat dies Moment gebührend hervorgehoben(Meyer, Mommsen), hie und da wohl auch zu sehr betont(Pöhlmann). Hier soll nochmals vor Übertreibung nach dieser Richtung gewarnt werden, denn der pädagogische Standpunkt darf auch auf der Oberstufe nicht ganz zurücktreten. Während nun für den Unterricht immer das historisch Wichtigere das wertvollere ist, sind für die Erziehung oft die historisch nicht so bedeuten- den Einzeltaten wertvoller als die historisch bedeutsameren wirtschaftlichen Vorgängen.

Im Eingange der griechischen Geschichte stehennykenische Zeit undMittel- alter. Hier wissen wir keine datierbaren Ereignisse, wohl aber manches Zuständliche, auch aus der Wirtschaftsweise dieser Epochen. So wird man auch diese kurz behan- deln, schon damit der AusdruckMittelalter mehr wird als ein leerer Name.

Im Anschluss daran werfe man einen Blick auf die älteste Geschichte Spartas, wo sich starke Reste altertümlicher Wirtschaftsweise finden. Wirklich mit Einzeltatsachen arbeiten kann die Geschichte erst von Solon ab; und sofort sehen wir die Bedeutung des Wirtschaftlichen. Das erste Auftauchen des sozialen Gedankens, auf den sich unser 19. Jahrhundert so viel einbildete, bei Solon muss festgestellt und anerkannt werden; man kann und muss durch mancherlei Einzelbezüge belegen, wie ernst er es mit den Pflichten der Gesellschaft gegen die minderbemittelten Klassen nahm.

Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto schärfer tritt die Bedeutung des Wirt- schaftlichen für die innere und auch äussere Geschichte, besonders Athens hervor. Wirtschaftliche Motive spielen in den Wirren des Peisistratos, des Kleisthenes usw. min- destens die gleiche Rolle, wie die politischen. In den Perserkriegen findet die wenig nationale Haltung mancher Stämme, auch die Lauheit der Peloponnesier zum Teil ihre Erklärung in wirtschaftlichen Ursachen. In dieser Zeit tritt das Wirtschaftliche für den Unterricht etwas zurück, ebenso in der folgenden Epoche, der Pentekontaetie. Diese bedeutsame Zeit mit ihren hochinteressanten inneren Kämpfen und Krisen kann nicht so eingehend behandelt werden, wie sie es an sich wohl verdiente; der Stand der Forschung ist beschränkt, und allzu viel ist unsicher. So wird man das Hauptgewicht auf das dauernde Ergebnis, die perikleische Kultur, legen. Bei der Schilderung der so- zialen Verhältnisse betone man scharf den Gegensatz zur Moderne, der die Sklaverei fehlt. Man warne aber vor Uebertreibung und Uebertragung römischer, auch spät- griechischer Zustände, in denen die Sklaverei ja eine viel grössere Rolle spielte. Die Auffassung von Handarbeit als Sklavenwerk banausia ist festzustellen als Folge der politischen Emanzipation des freien Lohnarbeiterstandes, der im 5. Jahrhundert noch vorhanden war, im 4. schon ganz verloren gegangen ist; natürlich wurde diese Ent- wicklung nur dadurch ermöglicht, dass Sklaven vorhanden waren.

Bei der Behandlung des peloponnesischen Krieges sind die wirtschaftlichen Ur- sachen seines Entstehens und Ausgangs natürlich gebührend zu berücksichtigen.

Es ist zu zeigen, wie die Frage nach der Getreideversorgung immer wieder in den Vordergrund tritt. Athen hat denKampf für die nationale Einheit und Freiheit (Wilamowitz) am letzten Ende deshalb verloren, weil es weder sich selbst verprovian- tieren konnte noch auch stark genug war, die Zufuhr zu erzwingen. Diese Tatsache spricht eine deutliche Sprache und sollte von dem Lehrer nicht durch Nutzanwendung oder Kommentar abgeschwächt werden.

Die jämmerliche Zeit von 404 338 wird am besten kurz abgetan, so verlockend es sein mag, die wirtschaftspolitische Entwicklung gerade dieser Zeit zu verfolgen; dann kann auch die grosse Epoche, die mit dem Jahre 338 beginnt, noch auf der Schule be- handelt werden. Gegenwärtig wird die griechische Geschichte nicht selten vor, häufig