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zu bedenken, dass es sich nur um an aloge und nicht um gleiche Erscheinungen han-— delt. Bei allen gemeinsamen Zügen im einzelnen sind im ganzen doch zwischen den Parteien des alten Rom und den unsrigen tiefgreifende Unterschiede. Die wichtigsten davon sind die folgenden:
1. Bei uns spielen die Mittelstände eine ganz andere Rolle; 2. das Proletariat ist nicht, wie in Rom, ganz oder zum grössten Teil Lumpenproletariat. Infolgedessen spielen in Rom die„Katilinarier“ eine ganz andere Rolle als bei uns; aus demselben Grunde ist es unmöglich, für die moderne Sozialdemokratie— abgesehen von den Ele-— menten in ihr, die das Lumpenproletariat vertreten— im römischen Parteileben ein Analogon zu finden. Auch ist nicht zu leugnen, dass der Vorteil, den die Behandlung antiker Stoffe in Bezug auf die Objektivität des Lehrers hat, durch die Heranziehung moderner Vergleiche teilweise wieder aufgehoben wird. Es wird dem Lehrer erschwert, objektiv zu sein; denn er kann auch nicht aus seiner Haut heraus; ein Konservativer wird schwerlich die nötigen scharfen Worte für die Fehler der optimates finden, wenn er sie unmittelbar vorher mit den preussischen Konservativen verglichen hat, obwohl ihn selbstverständlich seine Parteistellung viel weniger beeinflussen wird als etwa bei der Behandlung des Jahres 1848. Es wird dem Lehrer auch erschwert, objektiv zu scheinen; denn er findet ja bei seinen Schülern gewisse feste Vorstellungen vor. Viel kann hier das eigene Nachdenken der Schüler tun, denn die Aehnlichkeiten springen ja zum grossen Teil ins Auge; viel kommt auch auf das Verhältnis zwischen dem einzelnen Lehrer und der einzelnen Klasse an. Der Lehrer muss sich danach richten, wen er vor sich hat, und berücksichtigen, ob seine Schüler wissen, wen sie vor sich haben.
Sind die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände, die zur Revo- lution führen, geschildert, geht man dazu über, die Geschichte der Revolution selbst zu erzählen. Am besten gliedert man den reichen Stoff nach den einzelnen Akten der Revolution, d. h. nach den einzelnen Versuchen der wirtschaftlich und politisch Schwächeren zur wirtschaftlichen und politischen Macht zu gelangen. Man beginnt also mit dem Unter- nehmen des Tiberius Gracchus. Man richtet das am zweckmässigsten so ein, dass man mit den Zuständen vor der Revolution das Pensum einer Stunde abschliesst und in der nächsten Stunde an die Wiederholung dieser Zustände die Darbietung des Neuen an- schliesst. Diese Wiederholung wird sich hauptsächlich auf Fragen, nicht auf Nacherzählen- lassen stützen und mit das Hauptgewicht darauf legen, das oben gegebene Schema wieder herauszuarbeiten. Während es bei der Darbietung durch den Lehrer an die Tafel ge- schrieben worden ist, mag es bei der Wiederholung ein Schüler anschreiben. Jedenfalls muss es ganz fest eingeprägt und auch später fortwährend wiederholt werden. Zum Schluss lässt man nochmals die Forderungen der verschiedenen Klassen zusammenstellen und beginnt darauf, den ersten Versuch, sie teilweise zu befriedigen, zu erzählen.
Bei der Schilderung der einzelnen Akte der Revolution schliesse man sich so eng an Mommsen an, wie es die Notwendigkeit, den Stoff unendlich geringer zu bemessen, gestattet. Gerade hier sind mit die glänzendsten Partien des glänzenden Werkes. Auch kann man aus Mommsen die Charakteristik wenigstens einer oder der anderen Persön- lichkeit vorlesen. Gerade die„Helden“ der Revolutionszeit sind von Mommsen mit ganz einzigem psychologischem Scharfblick beleuchtet worden, so gleich Tiberius Gracchus selbst.
Nach jedem„Akt“ der Revolution mache man in der Darbietung eine Pause und lasse den Schülern Zeit, den Stoff innerlich zu verarbeiten. Zu diesem Zweck sind einige Fragen einzuschalten. Diese Fragen dienen zunächst der immanenten Repetition und wenden sich an das Gedächtnis des Schülers. Man frage z. B.: Auf welche Klassen, Parteien stützt sich der betreffende Reformator? Welche Forderungen stellt er im Interesse des Ritterstandes? etc. Daran schliessen sich andere Fragen, die der Bearbeitung dienen und sich an den Verstand des Schülers wenden, z. B.: Welchen Gewinn haben die equites aus dem betreffenden Reformversuch gezogen? Welche Forderungen sind es, die bei diesem Reformversuch zuerst erscheinen? usw.


