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spricht, desto lauter werden die Tatsachen reden. Denn eines liegt auf der Hand: An der Entwicklung Galliens lässt sich die Bedeutung, die Kolonialgebiete für die Welt- kultur gewinnen können, besser veranschaulichen als an den gegenwärtigen Kolonial- gebieten der europäischen Länder; diese sind ja teilweise heute noch weniger entwickelt als Gallien zur Zeit, da es mit den Römern in Berührung trat.
Nach dem Prinzip der wechselseitigen Erklärung, das ich oben aufgestellt habe, können im einzelnen moderne Kolonialverhältnisse vielfach dazu dienen, die Cäsarlektüre anschaulich und lebendig zu gestalten. Ich habe zum Beispiel in einer mässig begabten Untertertia die Schüler auf ein modernes Analogon zu dem„rex et amicus populi Romani“ hinzuleiten gesucht; viele kamen ohne weiteres auf Hendrik Witboi, den„Freund des deutschen Kaisers“.
In Obertertia wird häufig die Beschreibung des goldenen Zeitalters von Ovid gelesen. Die Versuchung liegt sehr nahe, das zu einer Erörterung der Begriffe„Sozialismus“„Kom- munismus“ usw. zu benutzen. Diese Begriffe gehören zur allgemeinen Bildung und bleiben doch oft für den, der nicht zufällig darüber aufgeklärt wird, böhmische Dörfer. Trotzdem wird man nach meiner Erfahrung gut tun, dieser Versuchung zu widerstehen. Ich habe einmal bei einem Privatschüler, der für sachliche Dinge eine gute Auffassung besass, den Versuch gemacht und gar kein Verständnis gefunden. Anscheinend wird das Interesse hierfür erst durch die neueste Geschichte in Untersekunda geweckt.
Ebenfalls in Obertertia wird Xenophons Anabasis gelesen. Sie bietet Bilder von den wirtschaftlichen Zuständen unentwickelter Alpenländer, auch äusserlich zivilisierter Landschaften, die unter dem Druck eines internationalen Despotismus eine nationale Kultur nicht hervorbringen können.
In den höheren Klassen, von Untersekunda aufwärts, macht sich jenes wechselseitige Verhältnis fortwährend geltend. Alle Prosaschriftsteller bieten Gelegenheit zu wirt- schaftlichen Belehrungen, naturgemäss in verschiedenem Masse; andererseits sind wirt- schaftliche Erläuterungen fast überall zum Verständnis notwendig. Die lateinischen Prosaschriftsteller für Secunda sind Livius, Cicero und Sallust.
Von ihnen ist Livius am wenigsten geeignet für unsere Zwecke. Er pflegt eine, sagen wir primitive Art der Geschichtsschreibung, bei der die inneren Gründe geschicht- licher Entwicklung in den Hintergrund treten. Und doch, wie will man den welthistorischen Kampf zwischen Rom und Karthago, dem Bauernstaat und dem Kaufmannsstaat, ver- ständlich machen, ohne die wirtschaftlichen Momente gebührend zu würdigen, die für sein Entstehen und seinen Ausgang von Bedeutung waren? Welche helle Beleuchtung erfährt dieser Kampf, wenn wir moderne Analogieen heranziehen! Wie viel kann die Gegenwart aus dem schmählichen Ende lernen, zu dem die engherzige Krämerpolitik der kartha- gischen Bourgoisie geführt hat!
Intensiver noch lässt sich Sallust für wirtschaftliche Zwecke ausbeuten. Er macht den Versuch einer pragmatischen Geschichtsschreibung, ist freilich mit Vorsicht zu geniessen, da seine Berichte tendenziös gefärbt sind. Denn nicht wissenschaftliche Forschung ist es, was er treibt, sondern politische Agitation. Für den Kampf gegen die Optimaten bot ihm die gesellschaftliche Seite der Fragen die besten Angriffspunkte, und so tritt diese der wirtschaftlichen gegenüber mehr hervor als historisch gerechtfertigt. Da muss die Hand des Lehrers helfend eingreifen, das Bild ergänzen und berichtigen, dem Wirt- schaftlichen zu seiner Bedeutung verhelfen. Auch sind ja die gesellschaftlichen Er- scheinungen der Revolutionszeit nur ein Reflex der wirtschaftlichen Zustände, und ohne ihre Kenntnis höchstens äusserlich zu verstehen. Schon deshalb muss hier dem Schüler umfangreiches wirtschaftliches Material geboten werden. Dazu kommt aber noch etwas. Die römische Revolution hat in ihrem Verlauf etwas Typisches für Revolutionen, auch in moderner Zeit. Wir finden viele Symptome, die wir von der französischen Revolution her


