Aufsatz 
Wirtschaftliches im altsprachlichen Unterricht / von Dr. P. Schott
Entstehung
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5.

Um ihn zu verstehen, muss der Schüler genau wissen, wassaltibus bedeutet; er muss die damalige Lage der römischen Landwirtschaft sich vergegenwärtigen. Saltibus coëmptis gewinnt erst plastische Klarheit, wenn man an den Obergang von Kleinbetrieb und Ackerbau zu Grossgrundbesitz und Weidewirtschaft denkt.

Damit volle Anschaulichkeit erzielt werden kann, muss beständig das Unbekannte durch das Bekannte erläutert werden. Bald müssen moderne Ausdrücke zur Verdeut- lichung antiker, bald antike Einrichtungen zur Erklärung moderner benutzt werden. Alter- tum und Gegenwart müssen in einem ständigen Hinüber und Herüber wechselseitiger Erklärung stehen. Eine Lysiasrede kann das Verständnis für die Schutzzollfrage wecken, die akademische Vorbildung unserer Beamten kann einen Begriff davon geben, was sich Plato unter seinem Philosophenstaat vorgestellt hat.

Der Ton muss bei aller Objektivität warm sein. Kühle, leidenschaftslose Sachlich- keit wie sie oft die scheinbare Trockenheit des Gegenstandes nahe legt kann der Schüler, selbst der reifere nicht vertragen; das langweilt ihn und tötet sein Interesse. Mommsen ist ein leuchtendes Beispiel, wie sich ein hohes Mass von Objektivität mit Wärme, ja Leidenschaft des Tones vereinen lässt.

Das wären die wichtigsten Regeln, die auf methodischem Gebiet zu beachten wären.

IV.

Ich wende mich nun zu der Frage, welche Punkte im altsprachlichen Unterricht sich am besten für unsern Zweck eignen.

Schon in den ersten Tagen des Gymnasiums lernt der Schüler in der Vokabel ser- vus ein Stück antiker Wirtschaftsgeschichte. Denn mit dem blossen Übersetzen ists da nicht getan; vielen Schülern wird eine klare Vorstellung für das deutsche WortSklave abgehen. In den ersten beiden Jahren wird man sich mit dem begnügen, was beim Er- klären von Vokabeln und Sätzen in den Lesebüchern sich von selbst ergibt, und sich vor gewaltsamem Hereinzerren hüten. Es wird ohnehin genug abfallen. Bei der Be- handlung der alten Geschichte, schon in Quarta, muss Wirtschaftliches herangezogen werden. Der Verlauf des peloponnesichen Krieges ist ohne Kenntnis der attischen und peloponnesischen Wirtschaftsverhältnisse nicht zu verstehen. Man begnüge sich aber auf dieser Stufe mit dem Tatsächlichen, Zuständlichen und lasse sich auf die Erörterung von Begriffen nur soweit ein, wie zum Verständnis des Tatsächlichen unumgänglich not wendig ist.

Auch wirtschaftliche Kämpfe haben für den Quartaner kein Interesse, sollen es auch nicht haben. Darum kann man auch unmöglich ein volles Verständnis der römischen Revolution erreichen; und man wird am besten tun, diese Zeit ganz kurz abzumachen.

Alles Abstrakte, Theoretische muss auf dieser Stufe wegbleiben; alles muss dem Schüler möglichst anschaulich,bildhaft vor Augen geführt werden. Dabei braucht man weniger auf klassisches Deutsch zu achten als auf pſastisches.

Die Cäsarlektüre auf Tertia bietet ganz von selbst ein bestimmtes wirtschaftliches Gebiet zur Behandlung. Die Schüler sehen, wie verhältnismässig primitive und entwickelte Wirtschafts- und Kulturverhältnisse in enge Berührung mit einander treten; sie sehen, wie eine grosse Welt- und Kulturmacht in die primitiven Verhältnisse eindringt und durch kriegerische und friedliche Durchdringung gewisse Anderungen hervorruft; die Bedeu- tung dieser Vorgänge für die Weltkultur liegt sonnenklar vor ihren Augen: sie hören etwas von Kolonisieren, von Kolonialpolitik und Kolonialwirtschaft.

Ich gehe hier nicht darauf ein, wie man die Cäsarlektüre für die politisch-ethische Erziehung des Schülers ausbeuten kann, wie man sie für die Bedeutung unseres Kolonisierens empfänglich machen kann. Meine Ansicht ist: je weniger der Lehrer davon