Aufsatz 
Wirtschaftliches im altsprachlichen Unterricht / von Dr. P. Schott
Entstehung
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II.

Es ist eine Doktorfrage, ob für die wirtschaftlichen und staatsbürgerlichen Belehrungen eine besondere Stunde anzusetzen ist oder ob sie im Rahmen der übrigen Unterrichts- gegenstände zu geben sind. Für die Praxis ist sie vorläufig durch die Lehrpläne entschieden. Stürmer und Dränger haben verlangt, dass die Stundenzahl, die für den staatsbürgerlichen Unterricht freigemacht werden soll, dem altsprachlichen Unterricht ent- zogen werde.Erzieht, so rufen sie,die Jugend zum Verständnis ihrer Zeit! Nun, gerade der altsprachliche Unterricht kann die Aufgabe, die Jugend zum Verständnis ihrer Zeit zu erziehen, erfüllen. Nein, nicht staatsbürgerliche Erziehung statt des altsprach- lichen, staatsbürgerliche Erziehung auch im altsprachlichen Unterricht und durch den alt- sprachlichen Unterricht! Das ist die Forderung, die der Altphilologe stellen muss, wenn er mit der Zeit geht.

Denn ganz besonders geeignet für wirtschaftliche Belehrungen erscheinen die antiken Lehrstoffe Griechisch, Lateinisch und die alte Geschichte. Diese drei Fächer sind zwar getrennt durch die Technik des Unterrichtes, bilden aber für die Wissenschaft eine un- teilbare Einheit und werden deshalb hier zusammen behandelt. Lässt sich doch manches gleich gut aus dem Geschichtsunterricht wie aus der Lektüre der Historiker ableiten. Die römische Revolution gehört in den Geschichtsunterricht, muss aber auch bei der Lektüre von Ciceros Katilinarien, Sallusts bellum Catilinae usw. durchgenommen werden.

Die Antike bietet der Behandlung von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus in mehr- facher Beziehung geringere Schwierigkeiten als Mittelalter oder Neuzeit. Zunächst ist es bei der Behandlung des Altertums viel leichter, die Objektivität zu wahren. Nach einem schönen Wort von Adolf Wagner ist Voraussetzungslosigkeit das Ideal, dem die Wissen- schaft zuzustreben hat, das aber nie ganz erreicht wird. Wir alle sind bis zu einem gewissen Grade von unserm Bildungsgang, unserem Klasseninteresse, von persönlichen Erfahrungen abhängig. Die Antike ist der Parteien Hass und Gunst entrückt; die Acker- gesetze der Gracchen wirken nicht bis in die Gegenwart fort; die Steinschen Reformen dagegen bilden ein Glied einer Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist und um die heute noch der Strudel des politischen Getriebes tobt. Natürlich, ganz voraussetzungslos lässt sich auch die alte Geschichte nicht behandeln; da wirkt die Analogie zu modernen Erscheinungen hemmend. Wie weit man es aber als alter Historiker in der Voraus- setzungslosigkeit bringen kann, zeigt Mommsen: Der Historiker Mommsen nimmt in der Behandlung der römischen Revolution einen Standpunkt ein, der geeignet ist, die Anschauungen des Wirtschaftspolitikers und Freihändlers Mommsen zu widerlegen.

Ein weiterer Vorzug der Antike: Vieles, was bei uns noch im vollen Fluss der Entwicklung ist, liegt dort abgeschlossen vor, lässt sich also weit besser überschauen und beurteilen.

Ich übergehe die allgemeinpädagogischen Gesichtspunkte; hier kam es mir darauf an,

darzutun, was gerade vom Standpunkt der staatsbürgerlichen Erziehung aus wirtschaftlichen Belehrungen im altsprachlichen und durch den altsprachlichen Unterricht das Wort redet.

III.

Nachdem dasDass festgestellt ist, wende ich mich zumWie? undWo? und spreche zunächst über die Methode, die bei solchen Belehrungen angewandt werden soll.

Zunächst sind einige allgemeine Grundsätze der Pädagogik hier besonders zu beachten.

Der Lehrer soll nicht alles lehren, was er als wahr erkannt hat, sondern nur, was für die Schule im allgemeinen und das Lebensalter, das er vor sich hat, im besonderen geeignet ist. Man kann über den Zusammenhang zwischen Armut und Kinderreichtum (proletarii und proles!), Reichtum und Kinderarmut in Quarta nicht sprechen; das ist klar. Derselbe Stoff ist bei der Behandlung der Römeroden in Prima sowohl unanstössig wie unvermeidlich.