Wirtschaftliches im altsprachlichen Unterricht
Motto: Vos exemplaria Graeca Nocturna versate manu, versate diurna!
M,. A
Der folgende Aufsatz ist aus der Arbeit hervorgegangen, die ich im Jahre 1908 zum Abschlusse meines Seminarjahres gemacht habe.
Ich kann nicht beanspruchen, hier mit grossen neuen Entdeckungen vor den Leser zu treten. Doch halte ich es für wünschenswert, wenn immer und immer wieder betont wird, dass der altsprachliche Unterricht die staatsbürgerliche Erziehung fördert, nicht hemmt. Denn nur zu häufig wird aus dem an sich berechtigten Verlangen, dass die Schule ihre Schüler den modernen Staat verstehen lehren soll, der Wunsch nach einer Einschränkung oder Beseitigung des altsprachlichen Unterrichts.
Im folgenden möchte ich wieder einmal nachweisen, wie verkehrt dieser Wunsch ge- rade vom Standpunkt der Reformer aus'ist.
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Immer häufiger und dringender erhebt sich das Verlangen nach wirtschaftlichen Be- lehrungen auf der Schule, das Verlangen, dass der Jugend schon auf der Schulbank die Augen geöffnet werden für die gewaltigen Aufgaben unserer Zeit. Die Bürgerschaft von Hamburg hat im Jahre 1908 einstimmig die„Einführung staatsbürgerlichen Unterrichts in allen Schulen“ verlangt. Aus zwei ganz verschiedenen Gesichtspunkten heraus kann man diese Forderung stellen: Einmal vom Standpunkt der Erziehung aus; man will durch den staatsbürgerlichen Unterricht eine ethische, genauer politisch-ethische Wirkung auf den Schüler ausüben. Mehr als gut ist hat man das Hauptgewicht auf diese Seite der Frage gelegt. Es ist ausserordentlich gefährlich, den Schüler zu einer bestimmten Meinung oder Gesinnung auf politischem oder wirtschaftlichem Gebiet erziehen zu wollen; gar zu leicht springt der allzustraff gespannte Bogen, und man erzielt eine Wirkung, die der gewünschten


