Aufsatz 
Das Rotliegende in der Umgebung von Fürfeld in Rheinhessen / von H. Schopp
Entstehung
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öſtlich von Nieder-Wieſen, links ab vom Wege, der nach Nack führt, liegt ein verlaſſenes pfälziſches Queckſilberbergwerk, die ſogenannte Karlsgrube. Vor zwei Jahren unternahm es eine Geſellſchaft, dieſe verlaſſene Grube wieder auszubeuten. Obgleich gediegenes Queckſilber und Zinnober gefunden wurden, ſo war doch die Menge davon ſo gering, daß man nach kurzer Zeit das Unternehmen wieder aufgab. Für die Geologie dagegen wurden einige wertvolle Reſultate gewonnen. Um die großen Mengen Waſſers, welche die Arbeiten in dem Werke außerordentlich erſchwerten, leichter wegſchaffen zu können, wurde von der Karlsgrube ein Stollen in weſtlicher Richtung bis zur Neumühle ge⸗ ſchlagen. Durch die Güte des Herrn Oberbergrat Tecklenburg zu Darmſtadt gelangte ich in Beſitz eines Profils von dieſem Stollen. Auch muß ich hier mit Dank anerkennen, daß er mir die ver⸗ ſchiedenſten Mineralien und Verſteinerungen, die daſelbſt gefunden wurden, bereitwilligſt zur Ver⸗ fügung ſtellte.

Vom Stollenmundloch aus wurden nach oben gerechnet folgende Schichten durchſchnitten:

1) Feinkörniger, feſter und grauer Sandſtein.

2) Ein ſchmales Band ſchwarzen Schieferthones.

3) Sandſtein, von gleicher Beſchaffenheit wie bei 1.

4) Dunkler Schieferthon.

5) Eine dünne Bank von Sandſteinen.

6) Mehrere Meter blauen Schieferthones mit Verſteinerungen. 7) Grauer Sandſtein.

8) Melaphyrtuffe mit vielem Schwefelkies.

9) Grauer Sandſtein und Sandſteinſchiefer.

Unter den Verſteinerungen von 5) iſt beſonders ein wohlerhaltener Fiſchabdruck von Palaeoniscus Duvernoy Ag. zu erwähnen, der in einer Niere von Thoneiſenſtein eingeſchloſſen war. Auch muß der zapfenähnlichen Früchte, die ſich in eben ſolchen Nieren befanden, gedacht werden. Da ich ſpäter an Ort und Stelle einige Zweige, allerdings ſchlecht erhalten, von Walchien fand, ſo dürften jene Früchte vielleicht von dieſen Nadelhölzern ſtammen. Alle dieſe Verſteinerungen ſind ſtark mit Zinnober, Bleiglanz, Zinkblende, Schwefel⸗ und Kupferkies imprägniert.

Wir ſehen hier bei Nieder⸗Wieſen dieſelben Sandſteine und Schiefergebilde auftreten, wie bei Münſterappel. In petrographiſcher Beſchaffenheit, ſowie hinſichtlich ihrer Lagerung, zeigen die Ge⸗ ſteine an beiden Orten vollſtändige Übereinſtmmung. Durch das Vorkommen von Palaeoniscus Duvernoy Ag. in den Schieferthonen von Nieder⸗Wieſen wird die Gleichalterigkeit derſelben mit den Fiſchſchiefern von Münſterappel bis zur Evidenz erwieſen.

Die ſeither betrachteten Sedimentgeſteine ſind durch Verwerfungen vielfach aus ihrem Zu⸗ ſammenhange gebracht, ſo daß eine direkte Vergleichung derſelben durch dieſen Umſtand ſehr er⸗ ſchwert wird. Eine Einlagerung von Melaphyrdecken zwiſchen den Schichten vermehrt noch dieſe Schwierigkeit. Nun geben uns aber die Schieferthone(Fiſchſchiefer), die durch das Vorkommen von Palaeoniscus-Arten, beſonders von Palaeoniscus Duvernoy Ag., ausgezeichnet ſind, ein vor⸗ treffliches Mittel in die Hand, womit wir uns in den ſtark verworfenen Schichten zurechtfinden können. Die Fiſchſchiefer ſind nämlich leicht und ſicher von den andern zu unterſcheiden, und