Aufsatz 
Begleitworte zur beiliegenden geologischen Karte der nächsten Umgebung von Wonsheim in Rheinhessen / von H. Schopp
Entstehung
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6 inspector Marx, Dr. Windhaus, Prof. Hüffell und schliesslich Lehrer Röder. Und zu all' diesen Störungen kam schliesslich noch die Einberufung des Dr. O. Zimmermann zu achtwöchentlichen mili- tärischen Uebungen. Dadurch wurde die Masse der zu vertretenden Lehrstunden so gross, dass sie vom Lehrercollegium nicht mehr bewältigt werden konnte. Wir sind deshalb den Herren Dr. Münch und E. Geiss zu ganz besonderem Dank verpflichtet, dass sie uns in 22 wöchentlichen Lehrstunden bis zum Schluss des Schuljahres bereitwillige Aushülfe leisteten.

Erkrankungen von Schülern kamen besonders in den unteren Klassen während des Winters und Frühjahrs sehr häufig vor. Ja wir haben in diesem Jahr sogar den Tod zweier braver Schüler zu beklagen, welche beide schon seit Jahren leidend waren, des Untersecundaners Carl Würz und des Unter- tertianers Georg Eckstorm. Ihre Mitschüler und das Lehrercollegium gaben ihnen das letzte Geleite.

Durch Allerhöchstes Decret vom 11. November 1876 wurde der Gymnasiallehrer Dr. Lips zum Professor ernannt.

Befreiung vom Schulgeld genossen in diesem Jahre 20 Schüler. Das Jubiläumsstipendium wurde auch in diesem Jahre dem stud. med. Frank verliehen. Das Diltheystipendium erhielt für das Jahr 1877/78 der Abiturient Friedrich Marx, und das Jubiläumsstipendium für dieselbe Zeit der Abiturient Julius Göring, beide von hier. Das Fuhr'sche Legat wurde auch in diesem Jahr mehreren Abiturienten, welche grössere Privatarbeiten lieferten, durch Conferenzbeschluss zuerkannt.

Die Sommerferien wurden wie im vorigen Jahre auf 4 Wochen verlängert, und die Herbst- ferien auf 2 Wochen verkürzt.

Vom 18. Juni bis zum 14. Juli wurde versuchsweise der obligatorische Unterricht auf den Vormittag beschränkt.

Vom 6. 9. December v. J. waren die sämmtlichen Directoren der Gymnasien des Landes unter Vorsitz des Herrn Ministerialraths Knorr zu einer gemeinschaftlichen Conferenz vereinigt. Der in diesen Berathungen festgestellte einheitliche Lehrplan für die Gymnasien des Grossherzogthums er- hielt die Genehmigung des Ministeriums des Innern, und wird im nächsten Schuljahre dem Unterricht zu Grunde gelegt werden. Für unsere Anstalt werden dadurch wesentliche Aenderungen nicht nöthig, da die von uns bereits erstrebten Klassenziele mit denen des allgemeinen Lehrplans übereinstimmen. Der Unterricht im Griechischen wird künftig in Untertertia, und dafür in Quarta das Französische mit 4 wöchentlichen Stunden beginnen.

Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern vom 26. Mai wurde die provi- sorische Theilung der Obersecunda in zwei Cöten mit Wirkung vom 8. October l. J. genehmigt. Wir erhalten deshalb für das nächste Schuljahr zwei neue Lehrer, die Accessisten Heinrich Gerhard von Steinbach und Franz Seck aus Wallenrod.

Am 20. September v. J. übersandte Prof. Dr. Fr. Zimmermann, anlässlich seines bevor- stehenden Scheidens aus unserem Gymnasium, eine Anzahl werthvoller neuer Bücher(aus dem Verlag von Hirt in Breslau) für die Bibliothek. Im Namen der Anstalt danken wir dem trefflichen Mann für das an- sehnliche Geschenk und für die treue Gesinnung, welche er ihr seit seinem Ausscheiden ununterbrochen in guten und bösen Tagen bewährt hat. Sein Abgang zu Ende des vorigen Schuljahres war im Kreise der Schule, welcher er die Grundlage seiner Bildung verdankt, und an der er so lange Zeit segens- reich gewirkt hat, zur erhebenden Feier geworden. Möge ihm Gott noch lange ein ruhiges und durch literarische Arbeit gesegnetes Alter in Gnaden gewähren.

Oeffentliche Anerkennung verdient es auch, dass ein Schüler der Obersecunda seiner Klasse eine sehr schöne Lithographie des Zeus von Otricoli geschenkt hat.

Den Sedantag feierten wir durch einen öffentlichen Actus am 1. September. Die Feier des Geburtstags Sr. Maj. des Deutschen Kaisers war vollkommen vorbereitet, konnte aber wegen des Ab- lebens Sr. Grossh. Hoh. des Prinzen Carl nicht zur Ausführung gelangen.