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Solch notwendiger Ernst, solch gewissenhafte Gründlichkeit in der Erfüllung der Schulaufgaben schliefst anderseits echte Jugendfröhlichkeit nicht aus. Im Gegenteil, auf welchem Boden erwüchse Frohsinn und Herzensfreudigkeit schöner als auf dem Bewulstsein getaner Pflicht! Wem wohl das Glück die schönste Palme beut? Wer freudig tut, sich des Getanen freut.
Und eine fröhliche und frische Jugend, die sich gern geistig und körperlich tummelt, wollen wir haben und brauchen wir, ja keine Duckmäuser und bleichwangigen Stubenhocker und anderseits keine überfeinen Flaneure und blasierten Gecken, die mit müder Altklugheit prunken. Blasiertheit ist der Tod aller Lebensfreudigkeit und aller Lebenstüchtigkeit; fort mit ihr aus der Jugend, in der alles quellendes Leben sein sollte! Die horazische Mahnung: Nil admirari mag in tieferer Auffassung dem reifen Mannesalter geziemen, für die Jugend ist sie in jedem Sinne unbrauchbar. Nicht plasiert sein heiſst also positiv gewendet: frisch, froh. herzhaft, strebsam, wissensdurstig sein, zugleich aber auch bescheiden, gehorsam und ehrfürchtig sein, bescheiden gegen die Klteren und Erfahrungsreicheren, gehorsam gegen die zu ihrer Leitung Berufenen, ehrfürchtig gegen alles Groſse und Heilige.
In der Hoffnung und der Zuversicht, Euch, Ihr Knaben und Jünglinge Wiesbadens, von solcher Beschaffenheit kennen und lieben zu lernen, entbiete ich Euch meinen ersten herz- lichen Gruſs.
Wenn Lehrer und Schüler in dem soeben kurz gekennzeichneten Geiste zusammen- arbeiten, so bilden sie einen Zweibund, der unwiderstehlich zum Siege führt. Freilich, aller guten Dinge sind drei; und so ist die Zuverlässigkeit des Bündnisgeistes der Schüler, um diesen Ausdruck zu gebrauchen, zum erheblichen Teile abhängig von einer dritten Macht: dem Elternhause. Möchte es doch immer der Dritte im Bunde sein! Möchte es doch die Arbeit der Schule unterstützen durch eine solche Gestaltung des häuslichen Lebens der Kinder, daſs der Schüler immer die frische Kraft seines Geistes und Körpers zur Schule trage. Möchte das Elternhaus den Lehrern, denen es sein Liebstes anvertraut, wahres Vertrauen entgegenbringen; möchte es auch für die Schulordnung und Zucht, ohne die keine Gemein- schaft der Jugend gedeihen kann, das rechte Verständnis hegen; möchte es den Lehrern, die ihr Bestes aufbieten, um das Schönste zuwege zu bringen, nämlich Seelen zu bilden, die Anerkennung nicht versagen, dals ihr Beruf an Schwierigkeit, Höhe und Adel der Aufgabe keinem anderen der Welt weicht!
Möchte also auch in der Zeit meines Wirkens an dieser schönen Stätte der Dreiklang: Lehrer, Schüler, Eltern zum vollen, reinen Akkord werden, uns allen Beteiligten zum Segen und zur Freude!
Gott der Allmächtige aber, bei dem alles Gelingen und Gedeihen ruht, schenke uns zu unserem Werke Gesundheit, Kraft und Klugheit! Mit diesem demütigen Gebete trete ich getrost in mein neues Amt ein.


