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Der Schreibmeiſter Curas war als ſolcher geehrt und geprieſen, bei Hofe angeſehen und mit Privi⸗ legien für ſeine Vorſchriften begünſtigt worden. Ja, er wurde von dem Rector Rubin des Kölniſchen Gymnaſiums angeſungen wie folgt: 5. 1
„Die ſanbre Schreibart iſt ein Werk der edlen Luzend Ein Kleinod, welches ziert die hoffnungsvolle Jugend, Wer ſolche gründlich faßt und mit der Feder übt,
Der macht bei Königen und Fürſten ſich beliebt; Herr Curas zeigt den Weg, wodurch man kann gelangen Zu dieſer ſchönen Kunſt, und mit derſelben prangen; Derum wird der Ehrenpreis mit Recht ihm beigelegt: Er ſei ein werther Mann, der Weisheit in ſich trägt.“
Curas hatte eine Menge von Nachfolgern, und ſelbſt noch im Jahre 1847 iſt Bräuer für die
völlig ſenkrechte Stellung der Buchſtaben mit Wort und That aufgetreten.
Allein mit dem Beginn dieſes Jahrhunderts vollzog ſich eine Umgeſtaltung der Currentſchrift in jene Schreibweiſe, die wohl am beſten als die Kaufmannsſchrift bezeichnet wird, und deren Charakter in der ſchrägen Lage der ganzen Buchſtaben, ſowie in deren Vereinfachung und leichteren Verbindungsart beruht, alles darauf berechnet, mit der inaden und Zierlichkeit auch die größte Geläufigkeit zu vereinigeu.
In dieſer Richtung iſt vornämlich Heinrichs in Crefeld ſeit 1809 bahnbrechend geweſen, deſſen zahlreiche Vorſchriften eine große Verbreitung gefunden haben, und deſſen Verdienſte durch die Verleihung der großen goldenen Medaille für Kunſt und Wiſſenſchaft geehrt wurden. Von den zahlreichen Nachfolgern des⸗ „ſelben, die als Schreibmeiſter und Schriftſteller auf dieſem Gebiete ſich ausgezeichnet haben, nennen wir als die hervorragendſten: Küſel, Cäſar, Mettenleiter, Hennig, Schütze, Hertzſprung und mit ganz beſonderem Intereſſe Mädler. Dieſer hochbegabte Mann, der in Berlin 20 Jahre lang als ein ausgezeich⸗ neter Schreibmeiſter wirkte, entwickelte nebenher eine ſo⸗ſtrebſame Thätigkeit, mit der er insbeſondere Mathe⸗ matik und Aſtronomie trieb, daß er als Profeſſor der Aſtronomie nach Dorpat berufen wurde und unter den Vertretern dieſer Wiſſenſchaft eine hervorragende Stelle einnimmt.
Mit dem Vollzug der Umgeſtaltung der Schreibweiſe oder des Duktus ging aber auch die Ver⸗ beſſerung der Methode Hand in Hand.
1 Zwar hatte ſchon Albrecht Dürer hierin bedeutungsvolle Fingerzeuge gegeben und auf die gene⸗ gtiſche Entwickelung der Buchſtabenformen auseinander hingewieſen, indem er z. B. ſagt:„Wie wohl man das alpfabet am a anhebet zu ſchreiben, ſo will ich doch auß Urſach hie zum erſten das i für mich nehmen zu machen, darumb, das ſchier alle puſtaben darauß gemacht werden mögen, doch muß man jm eetwan zu geben oder nemen“.
1 Es wurde nunmehr die alte Gewohnheit, wo man mit dem cu⸗ anfing und mit dem«2 aufhörte vertauſcht mit dem rationelleren Verfahren, die Buchſtaben in der Reihenfolge zu lehren, n wie ſie aus weinander ſich fortbilden laſſen und dabei mit den leichteſten begonnen.
Den Anfang machen hiernach c, n, m, i, u, ꝛc.; dann die Buchſtaben mit Oberlängen 1, b, k, t mu. ſ. f., die mit Unterlängen q, g, p; endlich die mit Ober⸗ und Unterlängen h, s, f. Dinge, die uns jetzt ebenſo natürlich als ſelbſtverſtändlich erſcheinen, hatten bei ihrer erſten Einführung oft mit den größten Schwierigkeiten und Widerſprüchen zu kämpfen.
Es würde zu weit führen, alle Methoden, die zur Berwolllommnung des Schreibunterrichts nach und nach ſich folgten, ausführlicher zu beſprechen. Wir beſchränken uns das Weſentlichſte derſelben anzudeuten. Auch erſcheinen manche von dieſen Verbeſſerungen an ſich kleinlich und unbedeutend, während ſie doch von großem Einfluß auf den Fortſchritt in der Schreibkunſt ſich erwieſen haben. nin. en an Als ſolche führen wir an: das Vorſchreiben des Lehrers an der Tafel in großen Zügen; das anfängliche Schreiben der Schüler in vergrößertem Maßſtabe; die Einführung der Schreibheften mit Doppel⸗ linien, Linien für Ober⸗ und Unterlängen und Schräglinien; die Schreihnetze, welche faſt nothwendig den Buchſtaben Richtigkeit in Stellung und Ebenmaß aufzwingen. Auch punktirte Buchſtaben, fein vorgezeichnete


