Aufsatz 
Das Schreiben und die Schrift. Schulrede
Entstehung
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derben Fäuſten, die nur gewohnt waren, den Speer und das Schwert zu führen, den ſchwachen Gänſekiel zu erblicken in der mühſamen Arbeit des Schreibtiſches. Aber gerade dieſer gewaltige Herrſcher war es auch, der den Werth dieſes kleinlichen, aber nützlichen Geſchäftes richtig erkennend, ſeine Verbreitung durch Grichkung von Schulen in jeder Weiſe zu fördern ſuchte.

Die Erfindung der Buchdruckerkunſt verminderte eneswegs, wie anfänglich erwartet wurde, das Schreiben, im Gegentheil, mit der zunehmenden Verbreitung literariſcher Kenntniſſe wuchs auch das Bedürfniß dieſer Fertigkeit. Die Druckſchrift hatte inſofern keinen Einfluß auf die Form der geſchriebenen, als ja ihr Erfinder Gutenberg ſich alle Mühe gab, ſeinen gedruckten Büchern das Anſehen von geſchriebenen zu geben, indem er die übliche Schrift auf's Genaueſte copirte. Um ein damaliges Druckwerk zu empfehlen, mußte man alſo von ihm ſagen können:Es iſt gedruckt, wie geſchrieben.

Indem jedoch das Schreiben mehr und mehr überhand nahm und in weiteren Schichten der Geſell⸗ ſchaft ſich ausbreitete, erwies ſich die Fractur zu ſchwerfällig für eine raſche Schreibart, und indem man zwar ihre ſteile ſenkrechte Stellung noch beibehielt, ſuchte man jedoch durch manche Abrundung, Verſchlingung und namentlich durch die Verbindung der Buchſtaben eine geläufigere Schreibweiſe zu erreichen, welche den Namen der Kanzleiſchrift erhielt. In dieſe Zeit fällt wohl auch die Scheidung der romaniſchen Schrift mit ihren gerundeten Formen von der eckigen deutſchen Schreibart.

Und nun ſcheint mehrere Jahrhunderte lang das Schreiben ſo fortgetrieben worden zu ſein, ohne daß eine bewußte Regel oder eine klare Methode demſelben zu Grunde gelegt wurde. In der That bieten die Schriftſtücke aus dieſer Periode hinſichtlich ihrer Form nichts Bemerkenswerthes dar. Hervorragende Schreib⸗ künſtler gefielen ſich hauptſächlich darin, die großen Buchſtaben mit Schnörkeln, bis zur Unkenntlichkeit zu über⸗ laden, und es erſtreckte ſich die Geſchmackloſigkeit, die mit dem Verfall der ſchönen Künſte überhand mhr, ouuch auf die Schrift.

Nur einmal begegnen wir dem Verſuch, in das ganz empiriſch betriebene Schreibgeſchäft Maß und Regel zu bringen, und zwar war es kein geringerer, als der Altmeiſter Albrecht Dürer, der im Jahre 1538 ein Werk herausgab, in welchem unter Anderem auch darauf hingewieſen wurde, wie bei den verſchiedenen Schriftarten die Buchſtaben gegenſeitig auf beſtimmte geometriſche Verhältniſſe zu beziehen ſeien. Doch es war dieſer Verſuch vereinzelt und ohne Einfluß.

So blieb denn das Schreiben mehr oder weniger der Willkür Derer überlaſſen, die ſich damit befaßten, und als nächſte Wandlung machte ſich nur bei dem wachſenden Bedürfniß nach einer raſch fördernden

Schreibart der Uebergang von der ſteilen, ſteifen Kanzleiſchrift in die ſchräg liegende Currentſchrift bemerklich. Dieſes Bedürfniß machte ſich beſonders in dem Geſchäftsverkehr geltend, der daher die geläufige Current⸗ ſchrift annahm, während die Kanzleiſchrift bei den Staatsſchriftwerken in Gebrauch war und geblieben iſt.

Es iſt aber ein bezeichnendes Merkmal der neueren Zeit, daß ſie für alle Erſcheinungen im Gebiete

des materiellen und geiſtigen Lebens auf eine geſetzmäßige Auffaſſung und methodiſche Behandlung dringt und hinarbeitet. Und da ſehen wir denn auch, wie das Schreiben zum Gegenſtand einer ſolchen gemacht wird; wir hören, wie Entwickelung und Verbindung der Buchſtaben einer denkenden Betrachtung und Erör⸗ terung unterzogen werden, und wie der bisher ganz empiriſch betriebene Schreibunterricht die erſten Schritte zu einer methodiſchen Behandlung macht. Hiermit aber nähern wir uns dem ſpecielleren Theil unſerer Aufgabe, nämlich der Betrachtung des Schreibens als Gegenſtand der Schule.

Das erſte und bedeutendſte Werk, dem wir in dieſer Beziehung begegnen, iſt 1774 verfaßt von Hilm ar Curas, Kalligraphen und Schreiblehrer am Joachimsthaliſchen Gymnaſium in Berlin und führt den Titel:Calligraphia Regia, Königliche Schreibfeder, dergleichen noch nie zum Vorſchein kommen. Lehtt ohne Mühe die vollkommen recht zierliche und jetziger Zeit beliebte Schreibart u. ſ. w.(S. 5.)

Dieſe Schreibart aber iſt keine andere, als jene ſenkrechte Canzleiſchrift, mit ſenkrechten C⸗Strichen und etwas ſchräg gehaltenen Ober⸗ und Unterlängen, welche über hundert Jahre die herrſchende geblieben iſt.

*Sie wurde vorzüglich in Dresden noch weiter gepflegt und erhielt unter dem Namen des ſächſiſchen Duk⸗ tus allgemeine Geltung. Ja, unſere heutige Lonſelſcriſt trägt noch heß irig den ſ hnulpen den Pitas wihr eingeprägt hätte.