Aufsatz 
Das Schreiben und die Schrift. Schulrede
Entstehung
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Kopfhaut des Boten geſchrieben worden ſein ſoll. Durch den Haarwuchs verdeckt, wäre ſie dann bei der zweiten Schur wieder hervorgetreten. Die moderne Chemie vermißt hier nur eine Angabe, über eine Farbe von hinreichender Dauerhaftigkeit für dieſe Prozedur. Thatſächlich iſt es aber, daß die Tätowirungen der Südſeebewohner nicht lediglich Zierrath ſind, ſondern auch mitunter die Bedeutung von Verträgen haben.

Verhältnißmäßig ſpät wurden Stoffe aus Leinwand und Baumwolle und endlich das zuerſt aus der Papyrusſtaude gefertigte Papier zum Schreiben benutzt, welch' letzteres dann in der neueſten Zeit einen ſo ungeheuren Verbrauch gewonnen hat, daß dieſelbe ja als das papierne Zeitalter bezeichnet worden iſt.

Noch müſſen wir eines der einfachſten und zweckmäßigſten Schreibmaterials des Alterthums gedenken, insbeſondere für Schulen nämlich des Sandes. Als Plato, der große Philoſoph an den üppigen Hof des Dionyſius nach Syrakus berufen wurde, da ahmten die Höflinge alsbald nicht nur die Falten des Mantels, ſondern auch die der Stirne eines Denkers nach. Es wurden die Höfe und Säle mit Sand beſtreut, damit Schriften und mathematiſche Zeichen allerwärts zur Illuſtrirung der Philoſophie angebracht werden konnten. Und noch jetzt begegnet man im Orient Schulen, wo die liebe Jugend nur eines Rahmens gefüllt mit Sand, eines Streichbretts und des Fingers bedarf zu ihren ſchriftlichen Studien.

Und ſo wären wir hier zum zweiten Schreibmaterial gelangt, zur Tinte. Im Alterthum bediente man ſich als ſolcher vorzugsweiſe des dunkel ſchwarzbraunen Saftes, der in dem Beutel eines im Mittelmeer häufigen Weichthiers, Sepia oder Tintenfiſch genannt, enthalten iſt. Die Chineſen ſchreiben oder malen vielmehr ihre Buchſtaben mit dem Pinſel und bedienen ſich dabei der Tuſche, einer aus feinem Lampenruß bereiteten ſchwarzen Farbe. Im Uebrigen aber iſt unſere aus Eiſenſalzen und Gerbeſtoffen bereitete Tinte am allgemeinſten im Gebrauch. 8

Je nach dem früher genannten Material, auf welches geſchrieben worden iſt, mußten auch die Schreib⸗ werkzeuge verſchiedenartig ſein. Im Alterthum bediente man ſich zugeſpitzter Griffel, Stilus genannt, woher noch jetzt der Ausdruck Styl für Schreibart gebräuchlich iſt. Sie waren von Metall, Holz, Elfenbein und für Schriften in Wachs mit einem breiten Ende verſehen, zum Ausſtreichen der Schrift und Glätten der Wachstafel. Später kam das Rohr, Calamus in Gebrauch und es heißt daher noch heute das Schreibzeug im Italieniſchen Calamajo und der Tintenfiſch Calmar. Anfänglich war das Rohr nur ſpitz zugeſchnitten, und erſt ſpäter wurde ihm durch die geſpaltene Spitze die zur Schrelſſchrift erforderliche Elaſticität verliehen. Doch das Rohr wurde verdrängt durch den Gänſekiel und auch dieſer iſt in neueſter Zeit der Stahl⸗ feder gewichen.

Wenden wir uns nun nach dieſer Abſchweifung zu den Hülfsmitteln der Schreibkunſt wieder zurück zur Geſchichte ihrer ſpäteren Entwickelung. Die durch griechiſche Kolonien nach Spanien und Gallien gelangte griechiſche Schrift, und ebenſo die bereits um das Jahr 360 von dem weſtgothiſchen Biſchof Ulfilas aus derſelben abgeleitete gothiſche Schrift wurde mehr und mehr verdrängt durch die lateiniſche Schrift der Römer, ſchon deßhalb, weil dieſe überall ihre Verträge, Geſetze u. ſ. w. in lateiniſcher Sprache abfaßten und dazu auch der lateiniſchen Buchſtaben ſich bedienten. Mit welcher Schönheit, Regelmäßigkeit und Schärfe die Römer ihre Schriften auszuführen verſtanden, davon haben wir ja gerade hier die beſte Gelegenheit uns zu über⸗ zeugen, wenn wir die im kurfürſtlichen Schloſſe aufgeſtellten römiſchen Grabſteine betrachten. Aber nicht minder wird man dieſer Schrift anſehen, daß ſie in dieſer Geſtalt nicht wohl geeignet iſt, raſch niedergeſchrieben zu werden, und ſo entſtand aus derſelben unter den Händen der Abſchreiber die gebrochene Schrift oder Fractur, indem man die langen und ſteifen Linien der Lateinſchrift kürzte und gliederte.

Das Schreiben wurde damals ausſchließlich in den Scriptorien oder Schreibzellen der Klöſter en den Mönchen betrieben, und auch aus dieſer Zeit liegen uns Werke vor, welche uns die Geſchicklichkeit, Fleiß und die Ausdauer jener Schreiber bewundern laſſen. Ja, es reihte ſich hieran ſelbſt eine Wlunenden künſtleriſche Behandlung, insbeſondere der großen Anfangsbuchſtaben, der Initialen, die in Zeichnung, Farbe und Gold ausgeführt, manchen der älteren Schriftwerken einen hohen Werth verleihen,

Wie wenig noch am Beginn des Mittelalters die Schreibkunſt verbreitet war, geht zur Genüge daraus hervor, daß berichtet wird, wie Karl der Große noch in ſeinem 40. Jahre das Schreiben erlernt und dies auch ſeinen Großen zugemuthet habe. Und es muß in der That ein ſeltſamer Anblick geweſen ſein, in jenen

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