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IV. Beigabe.
Pehr drs Dirrhtors.
(Gehalten bei der vorjährigen Schlußfeier.) ——
Das Schreiben und die Schrift.
NMau der Anſicht einiger Naturforſcher der neueren Zeit beruht ein Unterſchied in der phyſiſchen Entwickelung des Menſchen und in der ſeines nächſten Verwandten, des Affen, weſentlich darin, daß im Gehirn des letzteren eine gewiſſe Parthie nicht vorhanden oder nicht hinreichend ausgebildet iſt, welche man als das Organ der artikulirten Sprache bezeichnet. Wäre dieſer Theil vorhanden, dann könnte der Affe wohl auch ſprechen und ſomit dem menſchlichen Bildungszuſtande näher rücken.
Andere Naturforſcher ſprechen ſich aber über dieſe Frage in ganz entgegengeſetztem Sinne aus. Sie ſagen: Hätte ein Thier Gedanken, ſo würde es auch ſprechen können; es würde dann ein entſprechendes dirigirendes Organ ſich vorfinden. Sehen wir doch, wie Vögel, die in der Thierwelt erſt die zweite Stufe einnehmen, ganz wohl Worte auszuſprechen vermögen. Aber niemals wird man einen Vogel reden hören.
Die Thiere haben bekanntlich alle niederen Seelenvermögen, Gefühle, Stimmungen, Vorſtellungen, Gedächtniß und Erfahrungen— aber ſie haben keine Gedanken!
Dieſes geiſtige Eigenthum, das Denkvermögen und ſodann die Fähigkeit, dem Gedanken durch ein Wort einen Ausdruck zu verleihen, ihn auszuſprechen und fortzupflanzen, dieſes iſt es, was allerdings eine ganz unvermittelte Scheidewand zwiſchen Menſch und Thier errichtet. Der Menſch erhält mit der Sprache jenes Mittel der höheren Entwickelung, die Fähigkeit der Vervollkommnung, des Fortſchritts, welche dem Thiere völlig abgeht und ihm für immer ſeinen Platz nicht neben dem Menſchen anweiſt, ſondern unter demſelben.
Wenn wir daher der Sprache einen ſo hohen Werth beizulegen haben für die Behauptung des aus⸗ erwählten Standpunktes, den wir dem Menſchen anweiſen, und wenn wir in der That noch tagtäglich in der Ausbildung des ſprachlichen Vermögens im Menſchen ein Hauptförderungsmittel ſeiner geiſtigen Vervollkommnung erkennen, ſo muß Alles, was dazu dient, dieſer Sprache ſelbſt Genauigkeit des Ausdrucks, ausgedehnte und nachhaltige Wirkſamkeit zu verleihen, von der höchſten Bedeutung erſcheinen..
Ein ſolches Mittel aber, den Gedanken zum Gemeingut, ihn unſterblich zu machen, iſt— die Schrift.
„Litera scripta manet“—„Der geſchriebene Buchſtabe bleibt“! Allein es bleibt nicht nur der todte Buchſtabe, ſondern auch die durch ihn feſtgeſtellte Thatſache, der durch ihn verewigte Gedanke.


