Aufsatz 
Der Manzanillo
Entstehung
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Schmerz, Auge und Geſicht ſchwollen ſo ſtark an, daß er zwei Tage lang gänzlich des Geſichts beraubt war; doch verlor ſich das Uebel ohne Anwendung eines Heilmittels. Die von demſelben Autor gegebene Abbildung ſcheint vielmehr eine Compoſition, als nach der Natur aufgenommen. Nur die männliche Blüthenähre und die Blätter ſind annähernd ähnlich, während die Frucht gänzlich falſch, in Geſtalt einer Feige dargeſtellt iſt

Nikolaus Joſeph Jacquin, Profeſſor der Botanik in Wien, war von 1754 bis 1759 auf den Antillen und veröffentlichte über deren Pflanzen ein großes und koſtbares Werk, das 264 aus freier Hand gemalte (nicht geſtochene) Abbildungen enthält. Bei dieſem Schriftſteller begegnen wir ſehr beſtimmten Angaben über den Manzanillo. Er bezweifelt die Vergiftung des Fleiſches der Krabben durch Manzanilloäpfel.Denn, ſagt er,ich habe niemals eine von einem Thiere berührte(angefreſſene) Frucht angetroffen, obgleich man ge⸗ wöhnlich angegeben findet, daß dieſe von den Krabben geliebt wird, welche an dieſen Standorten in kaum glaublicher Menge ſich aufzuhalten pflegen, doch wie mir ſcheint, aus andern Urſachen. Es ſteht zwar feſt, daß derartige Thiere, die in den Manzanillowäldern auf Martinique gefangen und gegeſſen werden, für giftig gelten und ſich auch in etwas(aliquoties) ſo erweiſen. Allein ebenſo werden die auf der Inſel Granada unter ganz gleichen Verhältniſſen angetroffenen Krabben ohne alle Furcht und ohne jeden Nachtheil verzehrt.

Was im Uebrigen von dem Genuß der Aepfel durch Menſchen und den Folgen davon erzählt werde, erklärt Jacquin, gewiß mit Recht, für lauter Fabeln, denn der brennende Milchſaft und noch mehr die ſcharfen Kanten und Spitzen des Kerns laſſen dies unmöglich erſcheinen. Als er von dieſem Safte etwas auf die Hand brachte, erhob ſich daſelbſt nach kurzer Zeit eine mit Lymphe gefüllte Blaſe, genau wie eine Brandblaſe.

Von noch größerem Intereſſe ſind aber noch weitere Verſuche, welche der muthige Forſcher anſtellte. Auch heißt es, berichtet derſelbe,daß der Schatten des Baumes dem darin Ruhenden ſich ſchädlich erweiſe sed per trihorium ipsi mihi cum sociis periculam facienti nihil mali evenit aber weder mir noch meinen Gefährten, die wir drei Stunden lang dieſer Gefahr uns ausſetzten, widerfuhr irgend ein Unheil. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, daß der durch dieſen Baum träufelnde und von nackten Körperſtellen aufgefangene Regen unſchädlich iſt. Möglich, daß er ſchädlich wird, wenn er aus vom Winde gebrochenen Zweigen oder beſchädigten Blättern rinnenden Milchſaft beigemiſcht enthält.

Die Bewohner von Martinique und den andern Inſeln brannten ganze Wälder dieſer Bäume nieder, um die angebauten Gegenden von einem ſo drohenden Gifte zu befreien.

Auffallender Weiſe enthält das im größten Imperialfolio herausgegebene Prachtwerk nur die kleine Abbildung eines Manzanillozweiges, mit der männlichen Blüthenähre und einer halb ausgewachſenen Frucht ohne Detail.

Schließen wir die Reihe der Autoren mit dem jüngſten derſelben, der uns aus eigener Anſchauung in Wort und Bild den Manzanillo vorführt und dem wir bereits früher einige Stellen entliehen haben.

Der Chevalier F. R. de Tuſſac verwendete die Jahre 1808 bis 1826 auf die Herausgabe eines Prachtwerkes, dieFlore des Antiles. Wir begegnen in demſelben Abbildungen, welche eine große Anzahl merkwürdiger Pflanzen in natürlicher Größe darſtellen und nicht nur eine fortgeſchrittene künſtleriſche Be⸗ handlung erhöht deren Werth, ſondern namentlich auch die Aufnahme jener in's Einzelne gehenden Da rſtellung der Fructificationsorgane, welche für die ſyſtematiſche Botanik die höchſte Bedeutung haben und die in den älteren Werken ſo ſehr vermißt werden. Wir haben jener Flora die hier beigegebene Abbildung des Manza⸗ nillo entnommen und gefunden, daß dieſelbe für die meiſten der neueren bezüglichen Werke benutzt worden iſt.

De Tuſſac beobachtete den Baum auf St. Domingo. Eines Tages wurde er benachrichtigt, daß auf der im Diſtrikte Arcahaye gelegenen Anſiedlung Melrot mehrere Bewohner in Folge des Genuſſes von Krabben ſich unwohl fühlten. Letztere waren in einem Gehölze nah der Meeresküſte gefangen worden und es entſtand ſofort die Vermuthung, daß hier eine Vergiftung durch Manzanilloäpfel vorliege. In der That fand man beim Durchforſchen des Waldes nächſt der Meeresküſte zwei Bäume dieſer Art. Sofort gab man den Patienten Meerwaſſer zu trinken und alle wurden hergeſtellt. In Ermangelung dieſes Mittels ſoll eine Löſung von Kochſalz denſelben Erfolg ſichern.