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Der Manzanillo liefert uns ein Beiſpiel der erwähnten Verirrung. In dieſem trügeriſchen Baume findet man alles vereinigt, was denjenigen anzulocken vermag, der den Reizen der Natur nicht unzugänglich iſt. Ein ſchöner Wuchs, eine dichte Laubkrone, ein angenehmes Grün, aus welchem eine große Menge ſchöner Früchte auf's einladenſte hervorſchimmern, grüngelb und rothwangig, als ob ſie dem lechzenden Wanderer die Erauicung anbieten wollten, welche die brennende Hitze dieſes Klimas gierig wünſchen läßt.
Sta viator, nimium grede colori! Stehe Wanderer— uicht allzuſehr traue der Farbe.“
Das Holz des Manzanilloſtammes wird von den älteren Autoren als vorzüglich geſchildert, indem es einen ſchönen ſchwarzweißen Maſer, ſowie beträchtliche Härte beſitze und deshalb zu feinen Holzarbeiten, ins⸗ beſondere zu Möbeln ſehr geeignet, vielfach Verwendung finde. Wie wir ſehen werden, widerſprechen ſpätere Nachrichten dieſem jedoch geradezu.
Es gewährt überhaupt großes Intereſſe, die Geſchichte dieſes Baumes in der Literatur durch mehrere Jahrhunderte zu verfolgen. Sie belehrt uns, mit welcher Hartnäckigkeit Thatſachen haften, die einmal eine gewiſſe Annahme und Verbreitung gewonnen haben, wie ſchwierig es iſt, ja mitunter unmöglich, durch ſpätere directe Beobachtungen dieſelben aufzuklären, zu beſtätigen oder zu widerlegen.
Ximenes(1593) Körper ſchwillt an; erzählt u. A.:„Der 6 wenn zufällig der Baum wächſt an Thau das Fleiſch den Küſten aller berührt, ſo brennt Inſeln von Dra- er, wohin er kommt,
goons Mouth bis Nombre de Dios, was 400 Meilen beträgt; er iſt den Menſchen, die in ſeinem Schatten liegen, höchſt ver⸗
Der Manzanilloapfel.
gleich wie Scheide⸗ waſſer. Das Holz gibt einen furcht⸗ barſtinkendenRauch, viel abſcheulicher als Schwefel. Die Indianer vergiften
derblich; ihr ganzer mit der Frucht ihre Pfeile, welche unheilbar verwunden und ich zweifle höchlich, daß in der ganzen Welt ein ſo verderbliches Gewächs ſich findet, da andere in der Heilkunde oder Technik ſich nützlich erweiſen, aber dieſer zu gar nichts.“
Benzo berichtet:„Das Gift der Indianer für ihre Pfeile wird bereitet aus Wurzeln, Kräutern, Ameiſen, Aepfeln(des Manzanillo) und anderen giftigen Säften, welche alte Weiber mit dem Giftſafte der Schlangen kochen, bis die rechte Miſchung vollbracht iſt und wobei nicht wenige von dem Dampfe getödtet werden.“(˙)
Hawkins ſagt:„Mit Manſaneeläpfeln, giftigen Fledermäuſen, Vippern, Ottern und anderen Schlangen bereiten ſie das Gemiſche und beſtreichen damit ihre Giftpfeile für den Krieg.“
Thevet endlich:„Wenn beim Bereiten der Compoſition aus dieſer Frucht, Ameiſen, Scorpionen u. ſ. w. das alte Weib vom Dampf getödtet wird— ſo hält man das für ſehr gut!“
Wahre Hexenkeſſelſcenen aus Macbeth, die offenbar nicht auf eigenen Beobachtungen, ſondern auf fort⸗ geerbten Erzählungen beruhen.
Sir John Sloane, der 1688 die Antillen beſuchte, liefert eine Abbildung des Manzanillo, die jedoch bezüglich der Blüthentheile und der Frucht ſehr unvollkommen iſt, wie denn der Verfaſſer in der Vorrede ſelbſt klagt, daß es ihm meiſt unmöglich geweſen ſei, wegen der Höhe der Bäume dieſe Theile ſich zu ver⸗ ſchaffen.
Johannes Commellin gibt 1697 eine Beſchreibung des Giftbaumes nach anderen Autoren, fügt jedoch die Abbildung einer kleinen dreijährigen Pflanze des Manzanillo hinzu, welche im botaniſchen Garten zu Amſterdam aus Samen gezogen worden war und der gerade die wichtigſten Theile, Blüthe und Frucht, fehlten
Mark Catesby, 1720 auf den Bahamainſeln, beobachtete den Baum ſelbſt und machte die Erfahrung, daß beim Fällen eines ſolchen etwas von dem Milchſaft ihm ins Auge ſpritzte. Er empfand einen brennenden


