IV. Beigabe.
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Bie Schule und der Krieg.
Mi unſerer heutigen Feier erhält das Schuljahr 1870/71 ſeinen Abſchluß. Vollbracht iſt die Schularbeit eines weiteren Jahres. Still und geräuſchlos wurde ſie vollzogen. In herkömmlich gleichmäßigem Schritt bewegte ſie ſich fort. Die Anfänger treten ein, ſie rücken auf von Stufe zu Stufe, die Fertigen treten aus, wir entlaſſen ſie, heute ſo wie vordem, ſie ſcheiden und verſchwinden in den Wogen des Lebens. Die Schule macht eine Pauſe, das Uhrwerk wird aufgezogen und von neuem ſetzt es ſeinen ruhigen Gang fort.
Und einhergehend mit unſerem unſcheinbaren Schulwerk hat ſich im Jahre 1870/71 ein Stück der Weltgeſchichte vollzogen, das, wenn wir vergleichend rückwärts blicken und berechnend in die Zukunft, unerreicht ſein wird an Größe und Bedeutung ſeiner Ereigniſſe und Thatſachen. Unſterblichen Ruhm hat dieſes Kriegs⸗ jahr an den Namen des deutſchen Volkes, ſeiner Fürſten, Feldherren und Staatsmänner geheftet, unverwelk⸗ lichen Lorbeer um deren Schläfe gewunden. Mit ſtaunender Bewunderung verfolgten die Völker Europa's, ja der Erde jene Ergebniſſe weiſer Berechnung und muthiger Thatkraft, jene Erfolge unerſchütterlicher Ausdauer und unbeugſamer Pflichttreue, von der die deutſchen Heere erfüllt und geleitet den Sieg unwandelbar an ihre Fahnen gefeſſelt haben.
Was iſt— ſo taucht ſchüchtern die Frage auf— was iſt, verglichen mit ſolchen Thaten, Werken und Erfolgen die Arbeit der Schulſtube? Hier der Held— da der Lehrer— hier der Siegespreis, das eiſerne Kreuz— da ein belobendes Wort, ein Buch, als beſcheidenes Andenken! So groß, ſo gewaltig ſind die Gegenſätze, daß es begreiflich erſcheint, wenn den Mann der Schule, wenn den Lehrer das drückende Gefühl der Geringfügigkeit ſeiner Leiſtungen befallen ſollte.
Aber wahrlich, meine Freunde— dies iſt keineswegs die Stimmung des Lehrſtandes im Angeſicht der Triumphe des Wehrſtandes. Mitgehoben fühlt ſich vielmehr die deutſche Schule und mitbetheiligt an dem erworbenen Kriegsruhm des deutſchen Heers. Und um ſo mehr darf ſie deſſen ſich freuen, als ſie nicht ſelbſt es iſt, die dieſen Ruhmesantheil ſich zuſpricht. Vielmehr ſind es außerhalb ihres Kreiſes ſtehende Stimmen, die ihr denſelben zuerkannt haben, darunter insbeſondere maßgebende Organe des Auslandes, die den Krieg in nächſter Anſchauung Tag für Tag beobachteten und verfolgten, und die als einen hervorragenden Antheil an unſeren Erfolgen hervorgehoben haben: Die allgemeine Bildung im deutſchen Heerel Bildung aber iſt Schularbeit, und ſo ſehen wir in Verbindung gebracht„Schule und Krieg“, das ſtille Friedens⸗ werk und das Toben der Feldſchlacht.


