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wer ja in dem Fall war, ein alſo ihm übergebenes Pfand anzunehmen, dem muß die übernommene Ver⸗ pflichtung eine ernſte, eine heilige Angelegenheit ſein.
Das Bildungsmittel, deſſen Beſprechung wir uns vorgenommen haben und das wir für einen Haupthebel in Schule und Leben halten, iſt: die Erziehung zur Arbeit!
„Arbeit“— welch ein hartes Wort! Haftet an ihm doch ein alter Fluch, eine jahrtauſende lange Verachtung und regt ſich ja heute noch bei dem Worte„Arbeit“ bei ſo Vielen ſofort das Mißbehagen, der Widerwille, der Abſcheu.
Wundern wir uns nicht, daß die Arbeit ſo lange und ſo vielfach als ein Uebel angeſehen wurde. Im ganzen Alterthum, im Mittelalter und noch jetzt bei den rohen Völkern der Gegenwart erſcheint die Arbeit, unwürdig des freien Mannes, als eine Laſt, die auf die Schulter des Sklaven und vielfach der kaum höher geachteten Frauen gewälzt wurde. Dem Thiere gleich, unfreiwillig und von der Peitſche getrieben, verrichtete der Sklave ſein Tagewerk, wie dies in den Sklavenſtaaten Amerika's noch vor kurzer Zeit der Fall war.
Iſt auch im Verlauf der Zeiten, vornehmlich durch den Einfluß des Ehriſtenthums die Sklaverei gebrochen und die Arbeit zu Ehren gebracht worden, ſo drückt ſie dennoch fortwährend und gerade bei den hochkultivirten Völkern mit den freiheitlichſten ſtaatlichen Einrichtungen wie ein Alp auf Millionen unſerer Mitmenſchen, bei denen ſie keineswegs als ein Mittel der Erziehung und Bildung, ſondern im Gegentheil, als ein Hemmniß aller geiſtigen Erhebung erſcheint. Es iſt dies die in den reichſten Induſtrieländern leider ſtets ſich mehrende Volksklaſſe, deren ganze unausgeſetzte Tagesarbeit eben nur ausreicht, das dürftige Leben zu unterhalten, die vom drohenden Hunger und Mangel gepeitſcht, dem Sklaven gleich, unabläſſig das ächzende Tretrad ihres mühſeligen Daſeins in Bewegung ſetzen muß. Der Arbeiter in den Kohlen⸗ gruben, er iſt der ſchwarze Sklave, welchem die bleichen Spinner, Weber u. A. m. in weißer Farbe zur Seite ſtehen.
Wenn wir erfahren, wie in Annchen unſerer modernen Induſtrien ſha das zarte Händchen des drei⸗ und vierjährigen Kindes zum Zupfen, Flechten und dergleichen mehr gezwungen wird— wenn wir ſehen, wie das zehnjährige Kind bereits in die Dampf⸗, Dunſt⸗ und Staubatmosphäre der Fabrik wandert, um dort ſeine Jugend zu vertrauern— ſo erſcheint uns hierin allerdings die„Arbeit“ gleich einem zehrenden Wurm, der am Keim des edlen Menſchenthums nagt, wir lernen begreifen, daß es eine„Arbeiter⸗ frage“ gibt. Auch bis in dieſe düſteren Regionen hinab den Fluch von der Arbeit zu nehmen, auch hier die Arbeit zum Mittel der Bildung und Geſittung zu veredeln, dies iſt eine ſo hervorragende, ſo drängende Aufgabe der Gegenwart, daß alle Stände und Klaſſen der ſtaatlichen und bürgerlichen Geſellſchaft hierzu helfend ſich verbinden müſſen. Unlösbar darf uns dieſelbe nur dort erſcheinen, wo klimatiſche und ethnographiſche Verhältniſſe, wo eine karge Natur die Bevölkerung zum unabläſſigen Kampf ums arm⸗ ſelige Leben zwingt, wie den Eskimo in den Eisfeldern des Nordens, wie den Nomaden im Wüſtenſande des Südens. Dort bleibt ewig die Arbeit eine Plage und der Menſch verharrend auf gleicher niederer Stufe.
Wenden wir uns nun von dieſer Nachtſeite der Arbeit zu ihrer Lichtſeite. Knüpfen wir zu dieſem Ende unſere Betrachtung an eins der lieblichſten und tiefſinnigſten Gedichte Göthe’s, an den„Schatz⸗ gräber“. Mühelos und um den Preis ſeiner Seele will dort der bedrängte Menſch in ſchwarzer Nacht ſich den Schatz erwerben, von dem er ſich des Lebens Vollgenuß verſpricht. Aber ſiehe— da erſcheint ihm, von freundlichem Lichte umfloſſen, ein holder Genius, der ihn, hinweiſt auf die Arbeit, als die Quelle des friſchen Lebensmuthes. eche Arrne
„Trinke Muth des henen rVebens, Dann verſtehſt du die Belehrung, Kömmſt mit ängſtlicher Beſchwörung 112* PNicht zurück an dieſen Ort. Grabe hier nicht mehr vergebens. Tages Arbeit! Abends Gäſte! Saure Wochen! frohe Feſte! „Sei dein künftig Zauberwort.“
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