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IV. Beigabe.
Rede des Direkttors,
(Gehalten bei der vorjährigen Schlußfeier.)
Perthes,
ein deutſches Vürgerleden.
Die Zeit, in der wir gegenwärtig leben, bietet einen ſeltenen Reichthum großer geſchichtlicher Erinne⸗ rungen. Erfüllt ſich doch Woche für Woche, ja Tag für Tag ein halbes Jahrhundert ffür vergangene Ereigniſſe, welche von dem entſcheidendſten Einfluſſe auf das Schickſal unſeres Vaterlandes geweſen ſind. Die Jahre 1813, 14 und 15 werden für alle Zeiten eine der folgereichſten Perioden deutſcher Geſchichte bilden und mit ſtets erneuter Theilnahme kehrt der Blick zurück auf ihre großen Begebenheiten.
So loderten denn mit Recht am 18. Oktober des vorigen Jahres von allen Höhen Tauſende freu⸗ diger Feuer empor zum Gedächtniß jenes Wendepunktes der Weltgeſchichte, der Völkerſchlacht bei Leipzig, — Flammen, die wir um ſo freudiger begrüßten, je trüber der Horizont der Gegenwart iſt. Aber auch jetzt noch iſt faſt ein jeder Tag ein fünfzigjähriger Gedächtnißtag von Bedeutung. Haben wir doch ſo eben vernommen,*) wie am 1. Januar 1814 Blücher bei Caub den Rhein überſchritt und, während geſtern vor 50 Jahren bei Arcis ſur Aube eine mörderiſche Schlacht zwiſchen den Franzoſen und Oeſterrei⸗ chern unter Schwarzenberg geſchlagen wurde, die den Rückzug Napoleons, nach einem Verluſte von 4000 Mann zur Folge hatte— iſt heute am 22. der Jahrestag des Einzugs der Oeſterreicher unter Bubna in Lyon. Am 30. März endlich erſtürmten die Alliirten die Höhen von Paris und hielten am 31. ihren triumphirenden Einzug in die ſchreckenerfüllte Hauptſtadt Frankreichs.
Wie nahe erſcheint es mir da gelegt, bei der heutigen feierlichen Gelegenheit aus dieſem reichen, großen und glänzenden Stoffe einen Gegenſtand herauszugreifen und die Herzen meiner Zuhörer zu bewe⸗ gen und zu erheben, ſei es durch die Schilderung eines gefeierten Helden oder eines erſchütternden Ereig⸗ niſſes jener Zeit.,
Ich erinnere mich jedoch, daß wir unſere Schüler einem friedlichen, einem bürgerlichen Berufswege entgegenführen und dieſes beſtimmt mich, nicht einen Helden aus dem Gewühle der Schlachten, ſondern einen Helden aus den Bedrängniſſen des bürgerlichen Lebens jener Zeit hier vorzuführen, einen Namen,
*) In dem Vortrag des Abiturienten S. Kohn über„Blüchers Rheinübergang bei Caub.“


