Aufsatz 
Schüler und Lehrling. Rede
Entstehung
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IV. Beigabe. Rede des Direhtors.

(Gehalten bei der vorjährigen Schlußfeier.)

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Anrede an die abgehenden Schüler.

Mie oft hören wir, daß das Leben des Menſchen eine Schule genannt wird! Die Be⸗ ziehungen, welche in dieſem längſt gebräuchlichen Gleichniſſe ausgeſprochen ſind, liegen in der That nahe; ſie ſind ebenſo manchfaltig als zutreffend.

Denn ſo wie in der Schule die Klaſſen nach Fähigkeit und Kenntniſſen ſich bilden und ſtufenweiſe ſich folgen, ſehen wir im Leben die höheren Klaſſen des Alters und die der verſchiedenen Stände nach einander auftreten, mit reiferer Erfahrung und erhöhtem Anſehen. Hier wie dort ſprechen wir von zu löſenden Aufgaben, von Prüfungen, von Lohn und Strafe, hier wie dort begegnen wir der Regel und dem Geſetz und Jeder, der in der Schule ſeinen Lehrer gehabt, wird im Leben wieder ſeinen Meiſter finden.

Ja es kommt endlich auch die Zeit des Austritts aus dem Leben, gleichwie aus der Schule.

Wo ſind ſie alle hingekommen, die Tauſende und aber Tauſende, die in wechſelnden Geſchlechtern von Stufe zu Stufe im Leben voranrückten? 3

Sie ſind ausgetreten! Selbſt die Fleißigſten und Kenntnißreichſten, die am längſten ausgehalten auf der harten Schulbank des Lebens, ſtrebſam und lernbegierig bis zum letzten Athemzug ein Hum⸗ boldt, ein Ritter, Grimm, Arndt, Thierſch und wie die illuſtren Namen all' jener Männer heißen, deren Leiſtungen die Welt des Gedankens beſtimmen ſie ſind ausgetreten aus der Schule des Lebens!

Oh meine hochverehrten Zuhörer, welche inhaltreiche Abſchiedrede hätte ich Ihnen vorzutragen, ſollte ich nur der Wenigen näher gedenken, die ich ſo eben genannt habe und mit deren Abgang Deutſch⸗ land im letzten Jahre die hervorragendſten Forſcher in den verſchiedenſten Zweigen des Wiſſens und den edelſten Vaterlandſänger verloren hat!

Sie ſind verſetzt worden in eine Welt beſſerer Erkenntniß und höherer Anſchauung ſie haben mit ſich genommen die Thränen des trauernden Vaterlandes und die Kränze des Ruhmes und der Liebe, die ſo reichlich auf ihrem Grabe niedergelegt wurden ſie haben zurückgelaſſen ihre großen Namen, ihre wiſſenſchaftlichen Thaten und Werke und ſo lange noch Sinn für Wiſſenſchaft im deutſchen Volke lebt und dies wird ſein, ſo lange daſſelbe beſteht wird man deſſen gedenken, was Humboldt in den Naturwiſſenſchaften, Ritter für die Geographie, Grimm und Thierſch für die Sprachkunde gethan haben und ſo lange die deutſche Zunge Lieder ſingt, wirſt du Arndt im Munde deines Volkes leben!