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die Goldmacherei nun der unteren Schichte des Volkes. Ja das Uebel ſchlug um und bald wieder gab es Einzelne in höheren Regionen, die von dem Wahne auf' Neue erfaßt wurden, ſo nament⸗ lich ſelbſt Friedrich II. und Göthe werden hier genannt, von welch' letzterem geſagt wird, daß er die in ſeinem Goldmacherwahne wurzelnde Idee durch die Schöpfung ſeines herrlichen Fauſt verſöhnt habe.—
Erſt als man in andern Wiſſenszweigen naturgemäße Methoden zur Geltung gelangen ließ; erſt als Galilei, Keppler und mit ihnen eine Reihe unſterblicher Männer den Grundſatz Bacos von Verulam:„daß ſich der Naturforſcher der Natur unterwerfen müſſe,“ ſich in den Gebieten der Aſtronomie und Phyſik zur Richtſchnur dienen ließen, durch raſtloſe, vorurtheilsfreie Beobachtung und Experimente Licht über die Erſcheinungen zu verbreiten ſuchten, und endlich durch die Buch⸗ druckerkunſt ihre Forſchungen zum Allgemeingute werden laſſen konnten, entſtand endlich ein ein⸗ ſichtigeres Streben auf dem Gebiete der Chemie. Namentlich waren es Lefevre und Robert Boyle, welche mit dem Lichte ihres Wiſſens in das Chaos des chemiſchen Kennens Klarheit zu bringen wußten und den Weg der Forſchung betraten, deſſen günſtiger Einfluß für die Entwicklung der Chemie ſpäter am ſicherſten von Becher und Stahl geübt wurde. Denn Becher war es, der die zerſtreuten Thatſachen von allgemeinen Geſichtspunkten aus ſyſtematiſirte und die Erſcheinungen durch die möglichen Grundurſachen zu erklären ſuchte. Sein Nachfolger Stahl war es dann, der die einflußreiche Mitwirkung des Feuers bei den chemiſchen Operationen durch die Annahme eines brennbaren Stoffes, den er Pflogiſton nannte, zu erklären bemüht war, auf dieſe ſeine Anſicht ein chemiſches Syſtem baſirte, das der Entwicklung unſerer Wiſſenſchaft denn auch keineswegs ungünſtig war, und ein ganzes Jahrhundert hindurch bei den chemiſchen Forſchungen das leitende Princip bildete, bis zuletzt Priſtley und Scheele dieſe Theorie ſtürzten und dem eigentlichen Begründer der neuen Chemie Lavoiſiers für ſeine berühmten Forſchungen ein ſicheres Fundament bereiteten. Priſt⸗ ley, erſt in ſehr vorgerückten Jahren ſich der Chemie widmend, fand nämlich im Jahre 1772 durch ſcharfſinnige Beobachtungen in einer Brauerei, daß die Luft aus zwei Beſtandtheilen beſtehe. Seine Forſchungen führten ihn zu dem ſinnreichen Schluſſe, daß die durch die Athmung entſtehende Luft von den Pflanzen aufgenommen und wieder geläutert werde.
Scheele unterſuchte ſpäter die Beſtandtheile der atmosphäriſchen Luft und deren Eigenſchaften; auch ſtellte er Methoden auf, den Sauerſtoff(von ihm Feuerluft genannt), der auf dem Gebiete der heutigen Chemie die größte und allgemeinſte Herrſchaft ausübt, aus Queckſilberoxydul, Salpe⸗ ter u. dgl. Stoffen abzuſcheiden. Doch erſt Lavoſier brachte über die chemiſche Natur des Sauer⸗ ſtoffs Klarheit und eröffnete hierdurch, ſowie durch die Einführung der Wage, als Fundamental⸗ mittel zur chemiſchen Forſchung, der letzteren ein neues Feld, indem er lehrte, daß die Oxidation der Metalle eine Gewichtsvermehrung zur Folge habe, und daß bei der Umwandlung der Oxyde in Metalle die letzteren genau wieder in ihrem urſprünglichen Gewichte erſcheinen. Seit jener Zeit iſt die Chemie mit Rieſenſchritten vorwärts gekommen.„Unter dieſer Fahne wirſt du ſiegen,“ ſagte Lavoſier, als er mit der Wage in der Hand die bisherige Lehre vom Pflogiſton vollends ver⸗ nichtete. Und in der That, ſechs Decennien haben genügt, um die von Jahrtauſenden überkommene Chemie zur Wiſſenſchaft zu erheben..
Die Chemie hat uns ſeitdem nicht nur eine große Zahl von Urſtoffen oder Elementen ken⸗ nen gelehrt, welche die Erde ſammt allem, was zu derſelben gehört, bilden, ſondern hat uns auch indem ſie uns die Geſetze zeigte, nach denen ſich die Urſtoffe verbinden und wieder von einander trennen, die Möglichkeit gegeben, von der allmäligen Bildung der Erde uns eine tiefere Einſicht zu verſchaffen.


