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gibt, und Eiſen ſich in Kupferlöſen ſcheinbar verkupferte, da ſpornte ſogleich Habſucht, die immer zu weit greift und nur den eigenen Vortheil ſucht, den Trieb, Metalle überhaupt in Gold zu ver⸗ wandeln. Dieſes Streben ging zunächſt von Aegyptens Prieſtern aus; wie es denn auch wahr⸗ ſcheinlich iſt, daß dieſelben die Wiſſenſchaft nach dem früheren Namen ihres Landes, ſeines ſchwarzen Bodens wegen„Chemia“ geheißen, Chemie benannten.
Die erſten zuverläſſigen Nachrichten über den Stand der Chemie ſind uns in einem Werke mitgetheilt, das außer der Metallverwandlungslehre auf den Zuſammenhang der Chemie mit der Heilkunde deutet, und ihr zum erſten Male den Namen„Alchymie“ beilegt. Die Schrift ſtammt aus dem 9. Jahrhundert und hat den hochberühmten Gründer der arabiſchen Schulen Geber zum Verſaſſer.
Die Araber müſſen aber auch ſchon darum erwähnt werden, weil ſie im 9. und 10. Jahr⸗ hundert der Förderung der Wiſſenſchaft überhaupt günſtig waren, ſo ſehr ſie auch bei ihrem erſten Auftreten in allzugroßer Schwärmerei für die Allweisheit des Korans die viſſenſchaftlichen Rollen dem Scheiterhaufen übermachten. Von ihnen aus verbreitete ſich ſpäter die alchymiſtiſche Beſtre⸗ bung auch über andere Völker, bei denen aber die Vertreter derſelben gar bald genöthigt waren, an den abgelegenſten Orten, in Höhlen und Felsſpalten, nur bei Nacht, den Eulen gleich, vor den Retorten und Schmelztiegeln ihr Tagewerk zu üben, indem ſie ſich durch eigenes Verſchulden bei dem Volke der Zauberei anrüchig gemacht hatten. Denn gerade, wie ſich noch heute hin und wieder Leute finden, die ihre Zeit und ihr Geld in der einen oder andern Richtung zur Möglich⸗ machung des Unmöglichen vergeuden; ſo hatte in damaliger Zeit jeder Stand, ſelbſt der der chriſt⸗ lichen Geiſtlichkeit, unter den Adepten oder Goldmachern ſeine Vertreter, obwohl man ſehr wohl wußte, daß allmälige Verarmung oder gar Galgen und Scheiderhaufen das Endziel ihres Thuns war. So tollkühn es indeß auch die damaligen Adepten trieben, ſo hatte ihr Bemühen doch die Auffindung gar mancher Thatſache, die nachmals für das praktiſche Leben von hohem Werthe wurde, zur Folge.
Die Geſchichte der Chemie kennt jedoch auch aus dem 12. Jahrhundert. Männer, von denen ſie anzunehmen ſich berechtigt glaubt, daß ſie trotz dem Unſicheren ihres Zieles, trotz Scheiterhau⸗ fen und Galgen ihre Zeit und ihr Vermögen, frei von Ehrgeiz und Habſucht der Förderung der Volkswohlfahrt widmete, vielleicht aber auch, wie die Sage meint, den Stein der Weiſen, d. h. die Kunſt zu entdecken, das Leben unendlich zu verlängern. Ums 16. Jahrhundert hin war jedoch wieder, man muß es ſagen, die Goldmacherei jedenfalls ein purer Schwindel aus Habſucht.
Die Fürſten an den zahlreichen Höfen nämlich hatten Geld nöthig, denn die Steuern ihrer Angehörigen waren freiwillige Opfer. Man wollte ſich dieſer Verbindlichkeit den Unterthanen gegenüber entſchlagen und lieh den Goldmachern willig Geld und Ohr, bis der berühmte Parcel⸗ ſus Bombaſtus in der kühnſten Weiſe, trotz Kerker und Tod, ſeinen Zeitgenoſſen ſagte, daß die Goldmacherei ein großer Schwindel ſei, hervorgerufen durch die ganz falſche Richtung, dahin gehend, die Naturerkenntniſſe durch abſtracktes Denken zu ergründen. Nun machte die Goldmacherei die letzten verzweifelten Anſtrengungen, ſich zu befeſtigen, indem die Leiter der Adepten Reſcripte zu erwirken wußen, laut welchen der Zweifel an der Möglichkeit, Gold zu machen, für Majeſtätbelei⸗ digung erklärt wurde, denn die herrſchende Geldnoth bewirkte, daß ſelbſt Kaiſer und Könige zu den Goldmachern zählten.
Erſt zu Anfang des 18. Jahrhunderts gelangte man allgemein zur Einſicht: viele alchymiſti⸗ ſche Vagenten mußten ihr betrügeriſches Treiben an den Galgen büßen, wie 1809 Graf Ruggiero und 1820 Hector von Klettenberg.
Während indeß den Gebildetern mehr und mehr ein beſſeres Licht aufging, bemächtigte ſich


