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wieder auf's Neue ſchaffend geſtaltet. Alles iſt demnach, was uns in der Natur ſcheinbar Vernich⸗ tung iſt, nur Verwandlung; denn ein jedes Atom einer jeden Subſtanz, die der Erde gehört, muß der Erde verbleiben...
Wollte man hiernach die Wichtigkeit der Chemie und die bildenden Momente der chemiſchen Lehren in Worte faſſen, ſo könnte man kaum ſchönere und bezeichnendere wählen, als die Adolph Stöckhardt's, wenn er ſich alſo vernehmen läßt: Sehen wir, wie die unergründliche gött⸗ liche Allmacht ſich die chemiſchen Proceſſe zu Dienern beſtellte, um durch ſie den ewigen Wechſel hervorzubringen, den wir tagtäglich um uns her in der Natur gewahren, und um durch ſie ununterbrochen aus dem Tode immer wieder neues Leben hervorzurufen: ſo wird es von ſelbſt einleuchten, wie bildend und belehrend für jeden denkenden Menſchen die Wiſſenſchaft ſein muß, die ihm dieſen Wechſel erklärt und eine genauere Einſicht in die Wunder der Schöpfung geſtattet. Dieſe tiefere Einſicht wird den menſchlichen Geiſt nicht nur zu höherer Aus⸗ bildung und Vervollkommnung führen, ſondern ſie muß ihn zugleich mit größerer Bewunderung und inniger Verehrung gegen den erfüllen, der in dieſen Wundern uns ſeine Weisheit offenbarte.“
Wenn es nun auch wahr iſt, daß die chemiſchen Proceſſe ſo alt ſind, wie die Erde ſelbſt, und daß die Menſchen in der frühſten Zeit ſchon zur Befriedigung mancherlei Bedürfniſſe chemiſche Operationen vollzogen, daß z. B. die Verfertigung von Kochgeſchirren, von Geräthen aus Kupfer und Eiſen, die Bereitung von mancherlei Salzen und Farben, und endlich die Herſtellung von ver⸗ ſchiedenen Getränken bis in das graueſte Alterthum zurückreichen: ſo iſt doch das, was man gegen⸗ wärtig Chemie nennt, nur ein Product der Neuzeit, beginnend mit der Entdeckung des Sauerſtoffs und den höchſt ſcharfſinnigen Forſchungen Lavoiſier's ums Jahr 1780.
In der kurzen Zeit von da an bis jetzt iſt es dem menſchlichen Geiſte gelungen Jahrtauſende hindurch bekannte, aber unerklärte Erſcheinungen auf beſtimmte Geſetze zurückzuführen und dadurch allen Fortſchritt auf dem geiſtigen Gebiete des Naturwiſſens, des Ackerbaus und der Gewerbe an⸗ regend und befruchtend zu bedingen und unſer Jahrhundert raſch auf der Bahn tieferer Erkenntniß in dem Bereich der Natur, in der Bildung der Erde, in den Vorgängen im menſchlichen Körper und in dem bewußten Thun uͤnſers Geiſtes, das uns gegen Nachtheil und Vorurtheil ſchützt, vor⸗ wärts zu bringen. Zwar war die ſich auf chemiſche Grundſätze ſtützende Gewerbthätigkeit mancher alten Völker zu großer Vollendung gediehen; zwar ſind uns aus dem Alterthume Zeugniſſe über⸗ kommen, die unſere ganze Aufmerkſamkeit, mitunter unſere Bewunderung verdienen, und uns über⸗ zeugen, daß ſich der Menſchengeiſt ſtets beſtrebte, die geheimen Schätze der Natur zu heben und die Naturgeſetze, wenn auch nur in ihren Erſcheinungen bekannt, ſich dienſtbar zu machen; zwar belehren uns die auf uns überkommenen Sagen, daß die chemiſchen Operationen des Al⸗ terthums bis zu der eben bezeichneten Periode durch irgend einen glücklichen Zufall bekannt und als dann mit mehr oder weniger Geſchicklichkeit zum Nutzen einzelner oder der Geſammtheit verwerthet wurden. Allein wenn die Geſchichte der menſchlichen Gewerbthätigkeit auch noch ſo reich wäre an Thatſachen für die Behauptung, daß die Empirie durch Auslegung irgend einer glücklichen Wahrnehmung zu Reſultaten führte, deren gewollte Conſtatirung der Theorie unmöglich oder doch ſchwer geworden wäre; ſo fehlte doch jede Einſicht in die ſtattfindenden Vorgänge und man ver⸗ ſtand es nicht, die bekannten Thatſachen mit einander in Beziehung zu ſetzen und durch wiſſen⸗ ſchaftliche Combination Neues zu erzeugen. Und kommt es auch heute noch vor, daß für's Leben wich⸗ tige Stoffe und Körpereigenſchaften durch Zufall gefunden werden, wie es z. B. bei der Einwirkung des Sonnenlichtes auf gewiſſe chemiſche Körper zum Zwecke des Zeichnens der Fall war; ſo hat doch, ſeitdem das Licht der Chemie die Vorgänge in der Natur beleuchtete, unleugbar die Gewerb⸗ thätigkeit mehr gewonnen, als in Tauſenden von Jahren auf dem Wege erſtarrter Empirie. Ich


