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nunftsprache gäânz oder teilweise verliert, während er seine Gefühle noch auf die beiden ersten Arten auszudrücken imstande bleibt.
Der Musik als kunstmässig ausgebildeter unmittelbaren Gefühlssprache entspricht die Poesie als kunstmässig ausgebildete Vernunftsprache. Im Gesange vereinigen sich Musik und Poesie zum Ausdruck der Gefühle in harmonischer Einheit.
Wie haben nun die Menschen ihre Gefühle in der Vernunftsprache benannt? Die Zer- gliederung der einzelnen Gefühlsausdrücke in den indogermanischen Sprachen zeigt zunächst, dass nur eine kleine Anzahl der Ausdrücke in ihren Ansätzen als Gefühlsbezeichnungen bis in die ur- indogermanische Zeit zurückreicht, dass die Mehrzahl der Gefühlsnamen sich auf dem Boden der einzelnen Sprachzweige und Sprachen entwickelt hat. In der ältesten Zeit war der Ausdruck der Gefühle durch Worte augenscheinlich beschränkt und mochte sich, wie noch heutzutage bei den Ungebildeten, mehr durch Geberden, Mienen, Interjektionen und Handlungen vollziehen.
Aus urindogermanischer Zeit stammen die Ansätze der Ausdrücke für Angst ahd. angust f. Angst; lat. angor Angst; angustiae Enge; anxius ängstlich; skr. amhas Bedrängnis; zend Az-anh n. Enge, Angst. got. agis Angst; ôg bin erschreckt, fürchte; altir. agathar etimet'; griech..ε᷑ Angst, Betrübnis; skr. agha quälend, schlimm; got. aglo Trübsal, Bedrängnis; aglißa Trübsal, Schmerz; aglus beschwerlich; agls schimpflich; aglaiti, von einer idg. Wurzel angh-(agh-), lat. ango schnüre zusammen, würge, ängstige; griech. cyxo schnüre, würge, quäle. Angst bezeichnet ursprünglich die Enge, das Zusammengeschnürt- oder Gewürgtwerden und das Gefühl von dieser Enge. Schrechen skr. trâsa m. Schreck; trasta feig; atrasta unerschrocken= griech. drosoros unerschrocken; tras-(trasati) zittert, erschrickt; zend tarsti Schrecken; altpers. targatiy fürchtet; griech. 10 zittere, fliehe, fürchte mich; lat. terror Schrecken; terreo erschrecke; lit. triszu, triszeti zittern, schaudern; altir. tarrach furchtsam. Skr. targ-(targati) erschrecken, schmähen; griech. ⁴ο Schrecken; 1αει erschrecke; αbα‿εs erschrocken, furchtsam; ags. thracian fürchten. Furcht skr. bhi-(bhayate u. a.) fürchtet sich; bhi f. Furcht; bhaya n. Furcht, Angst; zend. bi- erschrecken; griech.—ευο fliehe; †νος Plucht, Furcht; νεέοσαια fürchte; lit. bijau, bijöti sich fürchten; bajus Furcht; ahd. bibèn, bibinôn beben, zittern. Schrecken und Furcht, die sich durch Zittern und Beben kundgaben, wurden darnach benannt. Furcht, die sich durch Flucht äusserte, erhielt davon ihren Namen. So zend dvaêtha f. Furcht; griech. Je*dνα, deεοαα fürchte mich, fürchte; dειεασσοσσα erschrecke, verscheuche; delös feig; de⁴⁵ Feigheit; deνας schrecklich; dε Furcht; urverwandt mit griech. ³ fliehe, fürchte. Die Grundbedeutung der Wurzel div- bezw. dvi- scheint auseinanderstieben zu sein. Grausen zend khrüma gräulich, grausig;*eνυμς Grausen, Kälte; skr. kravana furchtbar; ahd. rão rauh, von einer Wurzel krü blutig machen; vgl. auch oον stosse, schlage. Skr. ghôra furchtbar, grausig; got gaurs betrübt; skr. ghôratà f. Grausen; got. gauripa f. Betrübnis; gaurjan betrüben. Falls der germ. Wurzel grü erschrecken, ahd. ingrüën, schaudern, grüwison Schrecken empfinden eine idg. Wurzel ghrü- aus ghüͤr- entspricht, könnten die deutschen Wörter Grauen, gräulich, Gräuel, grausam, Grausen, gruseln als urverwandt hierhergestellt werden. Mut, Kühnheit mhd. turst f. Kühnheit, Verwegenheit; turren ahd. kiturran Mut haben; got. gadaursan wagen; lit. drasùs kühn, mutig, dreist; dristu, dristi sich er- kühnen, dreist sein; ksl. drüznati wagen; griech. ας Mut; doœoνς mutig, kühn; skr. dharsh-(darshati) ist mutig, wagb; dhrshti f. Kühnheit; dhrshnu kühn, mutig, dreist; kräftig stark; aus dhar-(dharati) trägt, hält fest weitergebildet; 1o⁴ααάα wagen:


