Aufsatz 
Über den Ausdruck der Gefühle. (Semasiologische Beiträge I.) / Engelbert Schneider
Entstehung
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Ausruf des Schmerzes und Jubels; lat. attat, attattatae, das auch Verwunderung, Furcht u. a. ausdrücken kann; lit. at bezeichnet Verachtung; griech. als Ausruf des Schmerzes, vgl. lat. eu oder heu, eheu; hebr., di und, hôi, weh.

Bei stärkeren oder andauernden Gefühlen werden die Interjektionen in allen Sprachen nicht selten mehrfach wiederholt; vgl. unser ei ei ei, au au. Auch die Geberden werden in diesem Falle bisweilen wiederholt. So neigte sich z. B. schon Jakob siebenmal vor Esau. Mos, I 33, 3.

Die einzelnen Nüancen dieser Empfindungslaute lassen sich mittels der Schrift nicht wiedergeben. Das bedauernde o lautet anders als das o des Uberdrusses, das ei der Bewunde- rung anders als das ei der Schadenfreude. Ebensowenig lässt sich z. B. das langgezogene, im Tone sich hebende und dann senkende hm, welches Widerstreben und Widerwillen ausdrückt, niederschreiben. Auch die langgezogenen, gellenden, markdurchdringenden Schreie, die im äussersten Schmerze oder in höchster Angst und Verzweiflung ausgestossen werden, das dumpfe Stöhnen des schwer Verwundeten, das leise Wimmern in qualvollen Leiden, das kummervolle Seufzen, das ge- duldige Achzen widerstreben der schriftlichen Fixierung. Für diese Laute ist die Buchstabenschrift nicht erfunden worden.

Die Interjektionen können in einzelnen Fällen in Verbindung mit Wortelementen oder Worten der Vernunftsprache in diese übergehen. So haben wir ächzen, ahd. achizon, eigentlich = ach sagen von ach; dꝭ und 4*eoœ erhebe das Schlachtgeschrei, wehklage von alaa und 14*. Urverwandt damit ist gr. 407bEo schreien, lat. ululare heulen; hebr. Do weh, wozu 55, dd. und pbX wehhklagen, heulen gehört. Zu skr. dhik pfui, stellt man lit. dygus, dygetis Widerwillen, Ekel haben dygéjimas m. Ekel. Zu hurrah haben wir mhd. hurren, sich schnell bewegen; zu hui dialektisch huien, schnell sein, hui, schnell, in einem Hui. Jauchzen kommt von ju, juch; ebenso jubeln, Jubel, Juchzer, jodeln, johlen; Ge- jauchze, Gejubel, Gejodel, Gejohle; mhd. stn. gen. jüwes jubilum'; jüwen, jüwezen jubilare; lat. jubilum, das Jauchzen, iubilare, iubilatio, iubilaeum; hebr. 529, jôbél, der Jubel; griech. 7wyu das Jubel- oder Wehgeschrei, dũέσα, schreie; aidoo, wehklage von; dirus, Weh, Jammer, 6οεσι wehklage, diνοsς jammervoll, olwros Mitleid von of; zu ol uodl, weh mir, gehört oluue, wehklage, oluoyn Wehgeschrei. Von weh kommt das Weh, die Wehen; ahd. wéêwô, wôwaà f. Schmerz, Leid, mhd. wêwe, nhd. noch in der Kinder- sprache; ferner ahd. wêlich'miser, dirus, weinôn, weinen, wènag bejammernswert, un- glücklich; got. wainags, unglücklich, vaidedja, Übelthäter; vaifairhojan, wehklagen; lit. waitoyu, wehhklagen; lett. wajsch krank, schwach. Umgekehrt können gewisse Wörter oder Wortverbindungen der Vernunftsprache zu Interjektionen abgeschliffen werden, z. B. herrje, herrjemine, o jerum, potzsapperment, oder sie können in gewissen Verbindungen auch unverändert gleich einer Interjection gebraucht werden, z. B. grosser Gott, kreuzbomben- blitzgranatenelement, skr. ambaà, weh= Mutter; abrahmanya, weh= unbrahmanisch. Die Einzelheiten in den verschiedenen Sprachen sind ebenso zahlreich wie interessant. Ich gehe hier nicht darauf ein.

In der Kunst hat diese Art des Gefühlsausdrucks eine reiche Entwickelung erfahren. Das Jauchzen und Jodeln der Senner und die Symphonien Beethovens sind nur verschiedene Entwickelungs- stufen dieser natürlichen und kunstmässig ausgebildeten unmittelbaren Gefühlssprache. Hierher gehören auch manche jener seltsamen und mannigfaltigen, teils von selbst sich ergebenden, teils kunstvoll ge- bildeten Jubelrufe und Jodler wie la-u-di-a-ho-la-i-du-i-da-la-u-a-di-a-ju-a-di-a-ho.

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